Schon während der Ausbildung legen die meisten angehenden Designer Geld zurück, um die Durststrecke nach dem Studium überleben zu können; die obligatorischen Praktika bei den großen und bekannten Unternehmen in Paris, Mailand oder London werden häufig nicht bezahlt.

Viele Ausbildungsstätten fördern daher schon während des Studiums den Kontakt zwischen Industrie und Studenten. Die Akademie Mode & Design mit ihren Schulen in Hamburg, Düsseldorf und München etwa arbeitet mit dem Wäschekonzern Schiesser und dem Schmuckhersteller Swarovski zusammen.

Trotzdem sind die Jobchancen düster. Eine gute Ausbildung garantiert eben noch lange keinen Designerjob. "Das Mode-Business ist eine knallharte Branche", sagt Mara Michel, die Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Mode- und Textildesigner. Man brauche nicht nur Kreativität im Dauereinsatz, sondern müsse genau wissen, wie Kleidungsstücke geschnitten und genäht werden. Nur die besten fünf Prozent der rund 2000 Mode-Absolventen pro Jahr bekämen sofort nach dem Studium eine Anstellung. "Das Problem ist, dass wir in Europa bersten vor kreativen, innovativ begabten Menschen", sagt Michel.

Zumindest ist Europa voll von Menschen, die sich für kreativ und innovativ halten. Die Bewerberzahlen um einen Studienplatz sind hoch: Allein an der Universität der Künste in Berlin (UdK) bemühen sich jedes Semester 650 Abiturienten um 30 Plätze. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, denn der Albtraum der gescheiterten Bewerbung bewahrt viele vor dem Albtraum nach dem Studium: Im Februar registrierte die Bundesagentur für Arbeit 13360 arbeitslose Modedesigner.

Eine von ihnen ist die 23 Jahre alte Anna-Paula Müller-Habig. Schon als Kind wollte sie Menschen einkleiden. Die Leute sollten durch sie schöner werden – und individueller. Ihr gefiel der Einheitslook auf der Straße nicht. Sie schloss ihre Ausbildung an einer privaten Modeschule ab. Doch statt jetzt in einem Atelier zu sitzen und neue Kleider zu skizzieren, kellnert sie in einer Bar in Hamburg-Altona. Mit den paar Euro, die sie dort verdient, und dem bisschen Geld, das ihre Eltern locker machen, schafft sie es gerade, die Miete zu zahlen. Nebenbei versucht sie, an ihrem "Projekt" zu arbeiten: Müller-Habig entwirft Taschen, die zu Kleidung umgewandelt werden können. "Ich würde gerne einen eigenen Laden aufmachen, aber mir fehlen die Kapazitäten", sagt sie.

Die Jobsuche war bislang ebenfalls vergeblich. "Ich habe eben sehr wenig Berufserfahrung." Auch Praktika bei Jil Sander und Jean Pascale halfen Müller-Habig nicht weiter. Bei einem Großkonzern wollte sie eigentlich nie arbeiten, doch jetzt wartet sie voller Hoffnung auf die Antwortschreiben von Esprit und Tom Tailor. Dort werden zwar nicht die unbezahlbaren und avantgardistischen Kollektionen designt, die die Couturiers in ihren Schauen zeigen, aber dafür tragbare Outfits des gehobenen Anspruchs – und der gehobenen Preisklasse. Übrigens werden die Modelle in den Bekleidungsfirmen auch nicht in Größe 34 entworfen, die vielleicht Kate Moss trägt, sondern in 38 und 44. Aus dem Laufsteg in Paris wird die Fußgängerzone von Paderborn.