Entgegen den Behauptungen von Finanzminister Hans Eichel sind die Bundesländer weitgehend unschuldig daran, dass die Deutschen mit ihrem Defizit im Staatshaushalt gegen den europäischen Stabilitätspakt verstoßen - wenigstens dann, wenn man den internen Berechnungen der Zentralen Datenstelle der Landesfinanzminister glaubt.

Vom Gesamtdefizit des Staates von 82,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr entfielen auf die Bundesebene (Bund und Sozialversicherung) 45,2 Milliarden und auf die Länder einschließlich der Gemeinden 37,0 Milliarden. Doch die Länderstatistiker haben eine raffinierte Rechnung aufgemacht: Wenn die Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts eingehalten worden wäre, hätte die Etatlücke insgesamt nur 63,8 Milliarden Euro betragen dürfen.

Nach dem - weitgehend unverbindlichen - nationalen Stabilitätspakt hätte der Bund davon 45 Prozent (28,7 Milliarden Euro) ausschöpfen dürfen, die Länderebene aber 55 Prozent (35,1 Milliarden). Somit überschritt der Bund seine Defizitgrenze um 16,5 Milliarden, die Länder aber lediglich um 1,9 Milliarden. Das Fazit der Rechenkünstler: Der Bund war der Hauptschuldige an dem Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien, weil er fast neunzig Prozent des unerlaubten Defizitüberschusses verursachte. Der Beitrag der Länder dagegen betrug "nur gut zehn Prozent".