Ein gelungener "Generationswechsel". Dieser dürftig-hochtrabende Kommentar vom Vorsitzenden Guido Westerwelle zur geräuschlosen Erledigung des Döring-Skandals in Stuttgart hat Nachgeschmack. Da lässt sich Genugtuung heraushören - durch den Verlust des lästigen Widersachers wurde die eigene Stellung verbessert. Stärkung durch Ausdünnung also. Aber dass die Bundesspitze darüber schweigt, wie mit Dörings Abgang auch der stellvertretende Bundesvorsitzende abhanden kam, wirft ein Licht auf ihr Selbstverständnis. Wenn das der Stil sein soll, dann kann am Ende Westerwelle selbst zum Alleinstellungsmerkmal der FDP werden.

Mochte auch die FDP am Rande der Selbstauflösung agieren, gab es doch immer noch das liberale Stammland Baden-Württemberg, die Tradition rebellischer Demokraten und gediegener Bürgerlichkeit seit 1848, die Partei von Theodor Heuss und Reinhold Maier. Was hinterlässt Döring, der "Politcowboy", die omnipräsente Führungsfigur?

In seinem Wahlkreis Schwäbisch Hall war die FDP zuletzt überdurchschnittlich erfolgreich. Jetzt ist die liberal-bürgerliche Wählerschaft erstarrt. "Wir müssen uns komplett neu aufstellen", stöhnt der Kreisvorsitzende. Und der Döring-Nachfolger Ernst Pfister im Wirtschaftsministerium? Wofür steht er? Er hat sich mehr als Vorsitzender des Deutschen Mundharmonikaverbandes denn als Wirtschaftspolitiker profiliert.

Und warum gab der in vielen Affären gehärtete Döring, der "Vetterleswirtschaftsminister", so schnell auf? War es etwa die Flucht vor der Affäre? Noch ist ein Posten von 10 000 Mark für eine Meinungsforschungsstudie, mit der sich Döring für eine bundespolitische Karriere bewerben wollte, ungeklärt, und schon taucht eine neue Rechnung von 31 000 Mark für dieselbe Studie auf. Und wieder gibt es Hinweise auf den Flowtex-Skandal.

Was heißt da Generationswechsel? Gewiss, die Zwischengeneration, die Möllemann-Generation, wird von ihrem eigenen Schicksal eingeholt. Etwas hatten ihre Angehörigen gemeinsam: Sie waren scharf auf die Medien und auf die kleinen Früchte der Macht. Sie kompensierten durch lautstarke Selbstinszenierung den Verfall des liberalen Erbes. Nun rutschen die ehemaligen Jungliberalen, die routiniert und ohne große persönliche Risiken den "ganzheitlichen Liberalismus" einklagen, in die Ämter. Die Partei überlebt, aber lebt sie schon?