Zugeben wird es keiner, aber das Nato-Treffen von Istanbul wird ein Gipfel der drastisch gesenkten Erwartungen. Wenn sich die Staats- und Regierungschefs zu Beginn der kommenden Woche in der Türkei treffen, werden die Mappen mit den Beschlussvorlagen dünner sein, als vor allem die USA gehofft hatten.

Nicht lange ist es her, da spekulierte Washington noch darauf, die Verbündeten würden sich bewegen lassen, anstelle der US-geführten Koalition die Aufgabe der Stabilisierung des Iraks zu übernehmen (oder zumindest eines Sektors) - seit den Fotos aus Abu Ghraib ist es damit vorbei. Gleiches gilt für Bemühungen, die Nato zur Dachorganisation eines von Amerika angetriebenen politischen Transformationsprozesses der arabischmuslimischen Welt zu küren.

Wichtiger werden daher die Erklärungen zu einigen Projekten sein, an deren Erfolg die Nato ihre eigenen Überlebenschancen misst: Fortschritte bei der Einrichtung der neuen schnellen Eingreiftruppe - die Übernahmemodalitäten für die bosnische SFor-Mission durch die EU im kommenden Jahr - die Bereitschaft der Mitgliedssstaaten, mehr Truppen für eine Ausweitung der afghanischen Nato-Mission Isaf in die Provinzen zur Verfügung zu stellen.