Gunnar Stange hat ein Büro in einem modernen Wolkenkratzer in Jakarta. Darin: ein neuer Computer mit Internet-Standleitung. Und er hat ein kleines Zimmer im Osten Indonesiens - ohne Dusche oder warmes Wasser. Ein Jahr lang pendelte Gunnar Stange, 24, zwischen Hütte und Hochhaus - als Praktikant der GTZ, der bundeseigenen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. "Ich habe mich sofort in dieses Land verliebt", sagt Stange, der in Passau Kulturraumstudien studiert. "Es ist diese Mischung aus Mystik und Moderne, die mich reizt." Drei Monate Auslandsaufenthalt sowie Kenntnisse einer Regionalsprache verlangt die Studienordnung. Stange hatte sich für Indonesisch entschieden, "weil man mit keiner anderen Sprache in dieser Region so viele Menschen zugleich erreichen kann".

Das Praktikum im GTZ-Büro hatte er über einen Passauer Professor ergattert.

"Ich wurde von Anfang an ernst genommen", sagt er. Der Praktikant entwarf eine Consulting-Datenbank und stellte die Profile laufender Projekte ins Internet. Doch Stange wollte wissen, was diese Arbeit in der Praxis bedeutet - draußen "im Feld". Deshalb verlängerte er seinen Aufenthalt und betreute ein Projekt auf der Insel Sumbawa. In der streng muslimischen Inselhauptstadt gibt es außer Hafen und Sultanspalast nicht viel, kein Kino, kein Theater.

Hier baute Stange mit drei Studenten der lokalen Wirtschaftshochschule ein Team auf, um den informellen Sektor der Gegend zu untersuchen. Die vier knatterten auf Mopeds los, um Kleinstunternehmer wie Näher oder Schuhputzer über ihre Arbeitsbedingungen zu befragen, damit sie gefördert werden können.

Viele konnten erst nicht verstehen, warum ein bule, ein weißer Ausländer, sich für ihre Arbeit interessieren sollte. Immer hatte der hoch gewachsene Deutsche einen Pulk Leute um sich herum. Er genoss das. "Ich habe das Gefühl, dass man hier noch viel bewegen kann", sagt er. Die Studie verwendet Stange für seine Diplomarbeit. Jetzt will er nach Kambodscha und Myanmar reisen. Und natürlich wieder nach Indonesien: "Dieses Land mit seinen Extremen lässt mich nicht mehr los."