Die meisten Verbraucher wollen sie nicht, die meisten Bauern wollen sie nicht, die meisten Politiker wollen sie auch nicht. Deshalb haben SPD und Grüne, die im Bundestag (noch) die Mehrheit stellen, nun Regeln beschlossen, die es gentechnisch veränderten Pflanzen schwer machen, auf hiesigen Äckern Wurzeln zu schlagen. Oppositionspolitiker geißelten die Paragraphen prompt als "Gentechnik-Verhinderungsgesetz". Und obendrein als Ausweis rot-grüner Innovationsfeindlichkeit.

Ein harter Vorwurf. Und ein ungerechter.

Denn tatsächlich kommt die Skepsis gegenüber der grünen Gentechnik nicht von ungefähr: Ihr Nutzen ist für die meisten Menschen schlicht nicht erkennbar.

Und dazu haben die Genklempner selbst beigetragen. Was haben sie denn bisher zustande gebracht? Sie haben Maispflanzen so modifiziert, dass sie die Berieselung mit Unkrautgiften überleben - eine Absatzförderung für die Herbizid-Mixer. Und sie haben allerlei Grünzeug den Bacillus thuringiensis eingepflanzt, der die Pflanzen vor Fraßfeinden schützt - dies aller Erfahrung nach aber nur vorübergehend.

Versäumt haben die Biotech-Ingenieure bisher indes, bessere und billigere Pflanzen zu züchten. Solche, die den Konsumenten einen gesundheitlichen Zusatznutzen versprechen, besser schmecken oder wenigstens die Haushaltskasse merklich entlasten.

Für dieses Versäumnis hat die Branche jetzt die Quittung erhalten. Die im rot-grünen Gesetz verankerten Haftungsregelungen machen den Anbau von Genpflanzen für die wenigen willigen Landwirte zu einem unkalkulierbaren Risiko - und für die Versicherungen zu einem ökonomischen Himmelfahrtskommando. Warum sollte es auch anders sein? Warum sollten womöglich die Steuerzahler, die als Konsumenten mehrheitlich vom Genfood nichts wissen wollen, für Schäden aufkommen, die Genbauern auf den Feldern ihrer konventionell oder ökologisch wirtschaftenden Nachbarn verursachen? Es gibt dafür keinen plausiblen Grund. Jedenfalls bis auf weiteres.

Sollte es der Branche nämlich gelingen, sich in Zukunft am Bedarf zu orientieren und die Akzeptanz ihrer Errungenschaften zu steigern, wird über die Gentechnik erneut zu streiten sein. Dass selbst Grüne und Sozialdemokraten darüber mit sich reden lassen, haben sie bereits bewiesen: Das von ihnen während der BSE-Krise verhängte Verbot der Tiermehlverfütterung hat die Nachfrage nach importiertem Soja enorm steigen lassen. Knapp die Hälfte des Importsojas ist gentechnisch verändert.