Lange hat sich Volkswagen-Konzernchef Bernd Pischetsrieder tapfer gewehrt gegen das hoch infektiöse Rabattfieber. Aber jetzt hat es auch den letzten geschützten Winkel im Wolfsburger Weltimperium erreicht. Die chinesischen VW-Kunden dürfen sich neuerdings über schöne Nachlässe für ihre neuen Santanas, Polos oder Jettas freuen. Dabei hat Pischetsrieder immer vor den gefährlichen Folgen der Rabattitis gewarnt: Kurzfristig nagt sie an den Gewinnen, und langfristig schädigt sie den Wiederverkaufswert und das Markenrenommee. In China wird der Preisnachlass von den Wolfsburger Statthaltern noch als Geschenk für den Zuschlag als Sponsor der Olympischen Spiele in Peking 2008 verbrämt. Die Folgen bleiben dieselben.

Wieder einmal war es der weltgrößte Autohersteller General Motors (GM), der den Rabattkrieg anzettelte. Nicht zuletzt dank großzügiger Nachlässe verkaufen sich seine zu Buicks und Chevrolets umgetauften Daewoos und Opel Corsas in China hervorragend, während die VW-Verkäufe in den vergangenen Monaten stagnierten. Die GM-Strategen Rick Wagoner und Bob Lutz hatten zuvor schon in den USA und in Europa - mit dem Opel Astra - durch großzügige Nachlässe die Konkurrenz und letztlich auch Rabattgegner Pischetsrieder zum Mitziehen gezwungen. GM-Vize Lutz reicht die Schuld an die Japaner und Koreaner weiter. Deren weltweites Vordrängen werde durch künstlich niedrig gehaltene Währungen begünstigt. Da müsse man auch mit dem Preis dagegenhalten.

Die Zeiten üppig sprudelnder Gewinne scheinen damit auch für Marktführer VW in China zu Ende zu gehen. Bislang galt das Land mit seinen hohen Autopreisen als Eldorado für die Autokonzerne. Wie VW und GM wollen praktisch alle anderen Hersteller ihre Produktionskapazitäten in den kommenden drei, vier Jahren verdoppeln. Jetzt warnen Experten vor einem schmerzlichen Erwachen.

Die internationale Unternehmensberatung AlixPartners etwa erwartet schon ab 2006 eine harte Auslese bei den Autoherstellern.