Die Aktion am vergangenen Montag, 140 Kilometer nördlich von Los Angeles, sah nach einer Spritztour aus. Ein bizarres Gespann rollte an parkenden Verkehrsflugzeugen vorbei und hob ohne Countdown-Zirkus vom Erdboden ab. Nach etwa einer Stunde entließ das Trägerflugzeug White Knight eine flügelbewehrte Rakete – SpaceShipOne wurde von seinem Triebwerk 80 Sekunden lang nach oben katapultiert und für ein paar Minuten in den Weltraum geschoben. Etwas später kehrte das Gefährt dann aus 100 Kilometer Flughöhe auf die staubige Piste zurück. Der erste privat finanzierte Raumtrip der Geschichte (ZEIT Nr. 17/04) war gelungen.

Freilich mögen Kritiker nun nörgeln: Was bedeuten schon 100 Kilometer Höhe, in die man mit lächerlicher dreifacher Schallgeschwindigkeit gelangt? Wer in die Umlaufbahn einschwenken möchte, braucht deutlich mehr Schwung. Bis auf 23fache Schallgeschwindigkeit muss eine Rakete beschleunigen, um dem irdischen Schwerefeld zu entfliehen und in den Orbit in mehr als 200 Kilometer Höhe zu gelangen. Und selbst wenn eine Rakete Marke Eigenbau jemals so weit käme, würde sie ohne Hitzekacheln beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Solche Herausforderungen meistern nur professionelle Maschinen wie das Space Shuttle der Nasa oder Exemplare aus dem Raketenköcher der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa). Und gegen diese Himmelsgeschosse ist SpaceShipOne ein lahmer Tretroller.

Aber was soll die Mäkelei? Die ersten klapprigen Flugapparate von Orville Wright (ein Fahrradbauer) und Otto Lilienthal (immerhin ein Ingenieur), flogen auch nur 37 respektive 25 Meter weit. Der Weltraumhopser von SpaceShipOne – entwickelt von dem Flugzeugdesigner Burt Rutan und finanziert von Microsoft-Mitgründer Paul Allen – demonstriert die Demokratisierung der Raumfahrt. Lange war die Weltraumfliegerei ein Monopol der Militärs, dann das staatlicher Institutionen. Dass Privatleute mit einem Budget von lächerlichen 20 Millionen Dollar einen Menschen in 100 Kilometer Höhe bringen könnten, schien für viele undenkbar.

Genauso undenkbar klang einst das irrwitzige Projekt eines spinnerten Humangenetikers, der sich in den Kopf gesetzt hatte, das menschliche Erbgut mit einer privaten Firma im Alleingang zu entschlüsseln. Zugegeben, Craig Venters Daten waren unsauber, aber ohne seine penetrante Konkurrenz zum staatlichen Programm wäre das Humangenom wohl noch immer nicht entziffert.

500 Millionen Dollar verschlingt allein ein Start des Space Shuttles. Minuten nach der Landung des SpaceShipOne fragten schon die ersten Kommentatoren, ob es nicht auch in der staatlichen Raumfahrt billiger ginge. Das wird die Nasa in den nächsten Monaten noch öfter zu hören bekommen. Es scheint, als ob der Weltraum mit Rutan/Allen sein Venter-Team gefunden hat. Harro Albrecht