Wissenschaft Farcen gibt es immer wiederSeite 2/2

So geht das Dresdner Possenspiel mit wechselnden politischen Fronten munter weiter. Doch hat das Hannah-Arendt-Institut inzwischen auch wissenschaftlich etwas zu bieten? Besier verweist auf Erfolge bei der Neuausrichtung der Institutsarbeit: das Blickfeld sei von einer zu engen Sicht auf die DDR-Geschichte in Richtung einer vergleichenden Diktatur-Forschung im gesamteuropäischen Maßstab erweitert worden. Geforscht wird, mit Beteiligung internationaler Stipendiaten, unter anderem über den italienischen Faschismus und die Bedingungen des Zusammenbruchs der Demokratien in den zwanziger und dreißiger Jahren. Für ein Projekt über die Transformation osteuropäischer Diktaturen in Demokratien hat das Institut gerade eine halbe Million Euro aus EU-Fördergeldern eingefahren, und es hat eine Zweigstelle in Polen eröffnet. Eine neue Zeitschrift für Totalitarismusforschung wurde gegründet. Auch auf dem Feld zeithistorischer Publikationen kann das Institut Achtungserfolge vorweisen: So ist jüngst ein Band erschienen, in dem die Rolle sowjetischer Militärtribunale bei der Diktaturdurchsetzung in der SBZ/DDR von 1945 bis 1955 dargestellt wird.

Ob das an die TU Dresden angeschlossene Institut jemals zur akademischen Ruhe kommt, bleibt dennoch fraglich. Neuer Wirbel ist schon vorprogrammiert: Im Herbst will sich Gerhard Besier mit einem Buch über Papst Pius XII. in die brisante Debatte um die Haltung des Vatikans gegenüber Faschismus und Nationalsozialismus einmischen.

Richard Herzinger

 
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