DIE ZEIT: Herr Weber, Sie sind fast zwei Monate im Amt. Sind Sie schon zum Politiker mutiert, oder denken Sie noch als freier Wissenschaftler?

Axel WEBER: Das Thema Wissenschaftler ist für mich vorerst abgeschlossen und bleibt es auch die nächsten acht Jahre.

ZEIT: Als Bundesbankpräsident nehmen Sie an den Kabinettsberatungen über den Bundeshaushalt teil. Spart die Regierung zu wenig?

WEBER: Ja. Sie müsste Subventionen und Steuervergünstigungen beherzter kürzen. Ziel ist nicht Sparen um des Sparens willen, sondern ein mittelfristig ausgeglichener Haushalt. Der Regierung ist es zwar noch gelungen, einen verfassungsmäßigen Haushalt 2005 vorzulegen…

ZEIT: …bei dem die Schulden nicht höher sind als die Investitionsausgaben…

WEBER: …aber sie droht zum vierten Mal das Defizitkriterium des europäischen Stabilitätspakts zu verfehlen.

ZEIT: Sie schafft das Minimalziel auch nur, weil die Budgetlücke großenteils durch Privatisierungserlöse gestopft wird.