Die Tulpe duftet nicht. Es gelang ihr allein durch den visuellen Erotismus flammender Blütenblätter und die Eleganz des langen Stiels mit schwerem Kelch, in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts zum Objekt einer obskuren Begierde, der Tulpomanie, zu werden. Das Kunstgewerbemuseum Dresden im Schloss Pillnitz präsentiert unter diesem Titel (bis zum 8. August - Katalog 29,80 e) eine reich bestückte Ausstellung über die Kulturgeschichte einer blühenden Leidenschaft. Rund 200 Exponate offenbaren die künstlerischen und kunsthandwerklichen Reflexe dieser Begeisterung: Blumenstillleben, Emblembücher, Kupferstiche, üppige Tapisserien, Schmuck, Möbel, Majolikawaren und bemalte Fliesen machen die Allgegenwärtigkeit der Tulpe in der Alltagskultur der Niederlande anschaulich. Zugleich erzählen sie von einem überaus erfolgreichen Kulturtransfer. Denn dasselbe Europa, das sich nur mit größter Mühe gegen die Türkenheere verteidigen konnte, erlag dem Charme der türkischen Blume ohne Gegenwehr. Zum regelrechten Wahn wurde die Tulpe erst als Spekulationsobjekt: Bevor 1637 der Börsenhandel völlig zusammenbrach, war für eine einzige Tulpenzwiebel der Gegenwert eines Amsterdamer Geschäftshauses in bester Lage geboten worden.