Neunzig Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs herrscht kein Mangel an neuen Büchern über diese tiefgreifende Zäsur in der europäischen Geschichte. Als unverzichtbares Standardwerk gilt heute schon die von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz herausgegebene Enzyklopädie Erster Weltkrieg (Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003; 1002 S., 78,– Euro). Sie bietet in Essays und Lexikonartikeln fundierte Auskünfte zu allen wichtigen Themenfeldern der Politik-, Militär- und Kulturgeschichte. Fast alles, was in der Weltkriegsforschung Rang und Namen hat, ist hier unter den Autoren vertreten.

Wer nach weniger umfangreichen Werken sucht, die ihm helfen können, sich zuverlässig über den Stand der Weltkriegsforschung zu orientieren, der wird rasch fündig. Im völlig neu bearbeiteten Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte informiert einer der besten Kenner, Wolfgang J. Mommsen, umfassend über Quellen, Literatur und wichtige Forschungskontroversen: Die Urkatastrophe Deutschlands (Der Erste Weltkrieg 1914–1918; Klett Cotta, Stuttgart 2002; 188 S., 30,– Euro). Zur Einführung ebenfalls sehr gut geeignet ist der knappe Überblick von Volker R. Berghahn in der renommierten Reihe C. H. Beck Wissen: Der Erste Weltkrieg (Verlag C. H. Beck, München 2003; 117 S., 7,90 Euro) und die vorzügliche Darstellung von Roger Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg (Verlag C. H. Beck, München 2002; 292 S., 14,90 Euro). Während Chickering vor allem die Gesellschaftsgeschichte des Krieges in den Blick rückt, legt Michael Howard in seiner Kurzen Geschichte des Ersten Weltkrieges (Piper Verlag, München 2004; 203 S., 16,90 Euro) den Akzent auf die militärische Geschichte.

Dass Bilder und Fotografien auch für Historiker immer interessanter werden, zeigen zwei Publikationen: Hew Strachan präsentiert in seinem Buch Der Erste Weltkrieg (Eine neue illustrierte Geschichte, C. Bertelsmann Verlag, München 2004; 448 S., 24,90 Euro) zum ersten Mal Farbfotos, die in französischen Archiven entdeckt wurden. Im übrigen zeichnet sich seine Darstellung dadurch aus, dass sie konsequent den globalen Charakter des Krieges betont. Brigitte Hamann wiederum unternimmt es, anhand einer Fülle zeitgenössischer Bilder, Fotos und Dokumenten zu zeigen, wie groß die Kluft war, die zwischen der Propaganda und der Realität des Krieges im Schützengraben und an der "Heimatfront" klaffte: Der Erste Weltkrieg (Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten; Piper Verlag, München 2004; 192 S., 29,90 ¤)

Wie der Krieg in das Leben eines Universitätsprofessors und seiner Familie eingriff und es veränderte, das schildert eindrucksvoll der Heidelberger Historiker Karl Hampe in seinem Kriegstagebuch 1914–1919 (hrsg. von Folker Reichert und Eike Wolgast; R. Oldenbourg Verlag, München 2004; 1020 S., 118,– Euro). Aufschlussreich spiegelt sich die Kriegsmentalität der wilhelminischen Eliten auch in der von Michael Epkenhans besorgten Edition der Tagebücher, Briefe und Aufzeichnungen eines Marineoffiziers, des Vizeadmirals Albert Hopman: Das ereignisreiche Leben eines "Wilhelminers" (R. Oldenbourg Verlag; München 2004; 1234 S., 49,80 Euro). (Eine ausführliche Besprechung beider Bände folgt). Hingewiesen sei auch auf ein ergreifendes Zeugnis, das zuerst 1924 veröffentlicht wurde und nun in einem Reprint neu zu besichtigen ist – die von Ernst Friedrich gesammelten Bilder der Schwerstverletzten des Ersten Weltkriegs: Krieg dem Kriege (DVA, München 2004; 240 S., 24,90 Euro). Erhellendes nicht nur zur Geschichte, sondern auch zur Nachgeschichte des Krieges findet sich in der Essaysammlung von Wolfgang J. Mommsen: Der Erste Weltkrieg (Anfang vom Ende des bürgerlichen Zeitalters; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2004; 220 S., 13,90 Euro).