Wie die Verhaftung von acht britischen Marinesoldaten durch Iran zu verstehen ist, daran ließ Teherans Nachrichtenagentur Irna keine Zweifel. Die Meldung, am Montag seien drei britische Patrouillenboote aufgebracht worden, ergänzte die Agentur mit dem Hinweis darauf, dass Großbritannien kurz zuvor für eine Resolution der Wiener Atombehörde IAEA geworben hatte, in der Teheran mangelnde Kooperation bei der Aufklärung seines Atomprogramms vorgeworfen wird. Die Mullahs reagierten darauf erst mit diplomatischem Lärm, nun mit militärischem Zwang.

Wobei es durchaus sein kann, dass die englischen Schiffe in die Hoheitsgewässer eingedrungen waren. Die Briten helfen dem Irak derzeit, seine Seegrenzen zu sichern, und im viel befahrenen engen Schatt al-Arab, den Iran und der Irak sich irgendwo in der Mitte teilen, kann sich ein Seemann schon mal verfahren. Oder auch nur so tun, als ob: zu Testzwecken.

Wie man darauf reagiert, ist eine andere Sache. Die Deutschen kennen das von der Ostsee, in der auch nicht jedes Mal Schiffe geentert oder Flugzeuge vom Himmel geholt wurden, wenn die andere Seite wie zufällig zu Besuch kam.

Powerplay gab es immer wieder, aber selten als internationales Ereignis. Iran jedoch will eine Botschaft in die Welt senden: Uns stößt man nicht herum (und schon gar nicht nach dem Irak-Krieg, dessen Ausgang Iran gestärkt hat). Dies ist auch der Tenor des iranischen Auftretens bei der IAEA in Wien, das übrigens von vielen nichtwestlichen Ländern unterstützt wird. Es kommt die hohe passive Beleidigungsfähigkeit der "Franzosen des Mittleren Ostens" hinzu, wie die Iraner von Diplomaten genannt werden.

Die Militäraktion im Schatt al-Arab ist jedenfalls mit Geschick gewählt. Sie lässt sich bis jetzt noch zum konsularischen Problem herunterspielen - oder aber zu einem Fall dramatisieren, der die Solidarität der islamischen Welt fordert. Und weil in London nicht Maggie Thatcher regiert, sondern der umsichtigere Tony Blair, der in Kriegsdingen schon genug um die Ohren hat, muss Teheran auch nicht damit rechnen, dass London diesen Angriff auf die Flotte ihrer Majestät sogleich auf traditionelle Art beantwortet.