Dass er einmal Präsident des Iraks werden würde, hätte Ghasi al-Jawar wohl nicht geglaubt. Der Mittvierziger ist ein in den USA ausgebildeter Ingenieur, der 15 Jahre lang im saudischen Exil lebte. Dort verdiente er als Chef einer Telekommunikationsfirma viel Geld. Nach dem Sturz Saddam Husseins ging er zurück in den Irak und wurde als parteiunabhängiger Sunnit Mitglied des von den USA bestellten Übergangsrates.

Al-Jawar hat es in dieser Zeit verstanden, auf einem schmalen Grat zu wandern. Er kritisierte die USA, ohne als antimerikanischer Fanatiker aufzutreten, und er fand gleichzeitig klare Worte für das Wirken des Übergangsrates: "Wir haben versagt!" Beides hat ihm eine gewisse Glaubwürdigkeit unter den Irakern beschert.

Einfluss hat der Präsident zudem als Mitglied des mächtigen Schammar-Stammes, dem auch Schiiten angehören. Außerdem stammt er aus dem nordirakischen Mossul, wo er gute Kontakte zu den Kurden hat. Al-Jawars Präsidentenamt ist nicht mit viel Macht ausgestattet, es ist vor allem repräsentativ. Es auszufüllen ist der Amtsinhaber allemal geeignet.