Sieben Jahrhunderte Unternehmertum haben wir in dieser Serie vorgestellt. Die Unternehmer und ihr Handeln lehren uns vieles über die Macht von Ideen, über Ausdauer und Führungskraft – aber auch über Brutalität und Sturheit in der Wirtschaft. Sie sind Schöpfer und Zerstörer im doppelten Sinn. Einmal so, wie es der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter meinte: Indem sie ihre Idee durchsetzen und ein neues Angebot schaffen, drängen sie die alten Unternehmen beiseite. Zum anderen zerstören einige am Ende nur ihr eigenes Werk. Sie alle sind faszinierend, weil sie ihren Vorstellungen ohne Wenn und Aber folgen. Das macht sie zu den wohl wichtigsten Antriebskräften der Wirtschaft. Manchmal gehen sie zu weit in ihrem Durchsetzungsdrang, setzen ihre Führungsqualitäten ein, ohne nach der Moral zu fragen.

Bill Gates begann im Alter von 15 Jahren, Software für Personalcomputer zu entwickeln. Heute noch kann er sich nichts Schöneres vorstellen. Cosimo de’ Medici ließ sich auch durch ein Jahr im florentinischen Gefängnis nicht davon abhalten, den ersten Konzern der Welt zu schaffen. Howard Schultz sah die Chance, aus einem kleinen Kaffeehaus namens Starbucks eine globale Kette zu machen. Aber die Eigentümer wollten nicht, erst versuchte er sie zu überzeugen, dann bekämpfte er sie und setzte sich schließlich durch. Unternehmer brauchen eine enorme innere Motivation, um so unabhängig zu denken, dass widrige Umstände und neue Moden sie nicht umwerfen.

Der eigene Antrieb und das Nichtnachlassen treten in vielen Formen auf, je nachdem, welche Gelegenheiten die Unternehmer vorfinden, in welcher Kultur sie sich bewegen oder welche Persönlichkeit sie besitzen. Aber einige wichtige Formen lassen sich doch nennen, bei aller Vorsicht vor Verallgemeinerung.

Vorausdenken: Werner von Siemens sah voraus, dass die Elektrizität die Kommunikation revolutionieren würde. Reisekönig Thomas Cook erkannte früh, dass nahezu alle Menschen in die Ferne fahren, wenn man es ihnen einfach macht. Und Schokoladenfabrikant George Cadbury ließ sich nicht von der Einsicht abbringen, dass bessere Arbeits- und Lebensbedingungen die Leistung der Mitarbeiter steigern.

Ständiges Lernen: Cornelius Vanderbilt hatte schon in der Schifffahrtsindustrie reüssiert, als er die Bedeutung der Eisenbahn erkannte und mit 68 Jahren begann, ein Schienenimperium aufzubauen. Reinhard Mohn von Bertelsmann analysierte ständig neue Ideen zum Führungsverhalten und ließ das Familienunternehmen zu einem der führenden Medienkonzerne auf der Welt wachsen. Herbert Quandt lernte erst in aller Sorgfalt, was einen Unternehmer ausmacht, bevor er in einem Befreiungsschlag BMW vor dem Aus rettete.

Mit Macht umgehen: John Smythe gründete die East India Company, indem er ein politisches Unterfangen, die Kolonialisierung, in ein Geschäft überführte. Jakob Fugger lieh den Königen Europas Geld und verstand die Mechanismen der Macht so gut, dass er selbst ungeheuer einflussreich wurde. Nathan Rothschild kam mit fast nichts nach London und finanzierte bald den Krieg gegen Napoleon. Und J. P. Morgan tat immer so, als sei er nur ein ganz normaler Banker, tatsächlich aber ging ohne ihn nichts im Finanzsystem.

Monopole aufbauen: John D. Rockefeller wollte unbedingt den Ölmarkt der USA dominieren und trieb Kontrahenten ins Aus. Ernest Oppenheimer nutzte verschiedenste Geschäftstricks, um sich ein Diamanten-Monopol zu sichern. Und Bill Gates verjagte alle potenziellen Konkurrenten von Microsoft, und wenn ihm das nicht gelang, kaufte er sie auf.

Auf der Vision beharren: John Boulton und James Watt wollten eine Dampfmaschine bauen, die sich überall in der Industrie einsetzen ließe. Die Gebrüder Warner ließen nicht ab von ihrer Idee, die Produktion von Filmen von einer Kunst in eine Industrie zu verwandeln. Ray Kroc brachte das System industrieller Produktion zum Fast Food, das Ergebnis heißt McDonald’s.