Auch über die jüngste Art Basel lässt sich einmal wieder nur in Superlativen berichten: Konkurrenzlos ist sie, die wichtigste, größte und beste Kunstmesse der Welt, und gilt als Seismograf für Trends und Preise. Bei ihrer 35. Ausgabe präsentierten 270 internationale Galerien ihre hochklassige Ware der Klassischen Moderne und der Zeitgenossen. Die aus Südkorea, SÆo Paulo, den USA und Europa angereisten namhaften Sammler kauften in diesem Jahr in einem Maß und Tempo, dass selbst versierten Händlern fast schwindlig wurde. Das kann einem bei der rasanten Preisentwicklung auch werden, vor allem bei den Zeitgenossen, die der Kunst der Klassischen Moderne und der Kunst nach 1945 davongaloppieren: 25 000 Euro kostete je eine von vier verkauften handlichen Skulpturen Fat Car von Erwin Wurm (Art & Public).

Ebenso viel verlangte die Galerie Minini aus Brescia für einen über zwei Meter hohen Kristalldruck in einer Dreierauflage von Szenestar Vanessa Beecroft, auf dem 30 nackte magere Frauen an einer gläsernen Tafel sitzen und an rot eingefärbten Lebensmitteln knabbern. Die Preise für ein Gemälde von Neo Rauch liegen bei 170 000 Euro, die Malereien von Daniel Richter bei 150 000 Euro, und sie werden hingebungsvoll bezahlt.

Werke so angefragter Künstler wie Richard Prince tendieren gegen Millionenhöhe, die gezeichneten Collagen von Raymond Pettibon kosteten etwa 20 bis 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Noch allerdings gehörte mit über fünf Millionen Schweizer Franken eine Figure de femme inspirée par la guerre d'Espagne von Pablo Picasso aus dem Jahr 1937 bei der Galerie Jan Krugier aus Genf als verlässlicher Wert zu den teuersten Werken. Für zehn Millionen Dollar gar bot Marlborough ein Triptychon von Francis Bacon mit Figurinen unter einem schwarzen Regenschirm an.

Keineswegs vergleichbar im Preis, aber preiswürdig war der überdimensionale tropfnass aufgespannte Regenschirm, mit dem die 1967 geborene polnische Nachwuchskünstlerin Aleksandra Mir einen Spaziergang durch europäische Städte unternommen hatte. Dafür erhielt sie den Baloise Kunstpreis in der Abteilung der Art Statements, mit dem ein Museumsankauf, eine Ausstellung und ein Katalog verbunden sind. Damit dürfte ihre Galerie Jousse in Paris gut gerüstet sein, im Kunstgeschehen lukrativ mitzumischen.

Der Bogen von der ganz großen Klasse hin zu den Entdeckungen gelingt der Art Basel offenbar unfehlbar jedes Jahr aufs Neue. "Wir reden ständig mit unseren Kunden, den Sammlern und Galeristen darüber, was verbesserungswürdig ist", sagt der Kommunikations- und Marketingdirektor Peter Vetsch. Dazu steht ein ganzer Stab von Persönlichkeiten und Personen rund um den Globus zur Verfügung. An der Spitze der Ehrenrat mit Galeristen wie Ernst Beyeler und der inzwischen 93-jährigen Denise Renée, das Art Komitee mit sechs Galeristen, die auch für die Auswahl der Aussteller zuständig sind, außerdem 21 so genannte Botschafter, die eine präzise Kenntnis der jeweiligen Kunstentwicklungen und Szenen in Afrika, China, Korea, Europa und den USA haben und an das Headquarter nach Basel kommunizieren.

Vor fünf Jahren entstand die der Messe angegliederte Schau Art Unlimited. Sie kam dem Wunsch der Galerien entgegen, Großinstallationen präsentieren zu können, und dem Bedürfnis vieler Sammler, auch raumsprengende Werke in Basel zu erwerben. Die Sonderschau hat sich als sinnvolle Ergänzung erwiesen, in diesem Jahr mit 60 Künstlerbeiträgen, unter anderem von Vito Acconci, Marina Abramovic und einem unter der Decke installierten begehbaren Laufsteg von Tadashi Kawamata.

Einen auf Anhieb gelungenen Start hatten die Art Conversations. Die fünf öffentlichen Talkrunden, gemeinsam mit dem hochkarätigen Sponsor Bulgari auf die Beine gestellt, boten attraktive Gesprächspartner auf: die Architektin Zaha Hadid, den Künstler Olafur Eliasson, die Leiterin der Thyssen-Bornemisza Stiftung für zeitgenössische Kunst in Wien, Francesca von Habsburg, und die Leiterin der documenta X, Catherine David, im Gespräch mit ihrem Nachfolger Roger M. Buergel. Die Auftretenden standen jeweils eine Stunde vorher und nachher bei Kaffee zum persönlichen Gespräch bereit, und jeder Besucher bekam ein Buch geschenkt, das als Reihe die Gesprächserträge dokumentiert. Lässt die angeheizte Kauflaune an die Boomjahre der Achtziger denken, so ist die Situation dennoch nicht vergleichbar: Die derzeitigen Käufer sind nicht schnell zu Geld gekommene und von Börsenkursen abhängige Yuppies, sondern eine wohlbetuchte, geradezu neokonservative Klientel, die weiterhin bei steigenden Preisen gut mithalten kann, solange die Kunst ihr Lebensgefühl beflügelt.