Es war einmal ein Finanzminister, den nannten alle "Hans im Glück". Das war zu der Zeit, als der Minister noch Star und stark im Kabinett war. Das Volk jubelte ihm zu, weil er sich redlich und durchaus mit Erfolg bemühte, die Staatsfinanzen zu ordnen. Die Wirtschaft wuchs, und die Steuereintreiber füllten die Staatskassen, sodass er von Jahr zu Jahr weniger Schulden machen musste und für die nicht allzu ferne Zukunft sogar einen Haushalt ohne neue Kredite versprach.

Doch der Minister kannte nicht nur das "Schicksalsbuch der Nation", wie der Haushalt manchmal genannt wird, sondern auch andere Märchenbücher. Deshalb mochte er gar nicht gern als Hans im Glück tituliert werden. Er wusste, dass der Hans im Glück aus dem Märchen zunächst einen Goldklumpen und am Ende gar nichts mehr hatte.

Dann änderten sich die Zeiten, die Wirtschaft wuchs nicht mehr, und die Steuern flossen spärlicher. Da fiel ihm ein, wie sein Vorvorgänger, der glücklose Theo aus Bayern, versucht hatte, sein Pech zu bezwingen und Haushaltslöcher zu stopfen. Am Ende entschloss sich der Minister, Staatseigentum zu versilbern, in einem Jahr für 10 Milliarden und dann sogar für 15,45 Milliarden Euro. So viel wie kein Finanzminister vor ihm. Ihn störte auch nicht, dass er danach fast nichts mehr sein Eigen nennen konnte.

Der märchenhafte Hans im Glück besaß zuletzt zwei schwere, mühselig zu tragende Steine. Als diese dann in den Brunnen gefallen waren, so wissen wir aus dem Märchen, sprang er "mit leichtem Herzen und frei von aller Last" fort, bis er daheim war.

Manchmal werden Märchen wahr.