Frau Professor Stern, die Hirnforschung ist in die Bildungsdiskussion eingewandert, der Neurowissenschaftler Spitzer füllt mit seinen Vorträgen über den Zusammenhang von Gehirn und Lernen die Säle. Ärgert Sie das als Bildungsforscherin?

Elsbeth Stern: Mich ärgert nicht, wenn sich Menschen weiterbilden wollen. Nur müssen die Schwerpunkte der Diskussion stimmen. Und da sehe ich ein Problem. Lehrer sollen gern lernen, wie verschiedene Teile des Gehirns am Lernen beteiligt sind. Aber Lehrer benötigen vor allem Wissen, das ihnen hilft, endlich besseren Unterricht zu machen.

Herr Professor Spitzer, Ihr Ruhm gründet sich gegenwärtig auf populärwissenschaftliche Bücher und Veranstaltungen. Ist Ihnen das als seriöser Wissenschaftler unangenehm?

Manfred Spitzer: Ein Popstar zu sein wäre mir unangenehm. Damit tut man der Sache nichts Gutes. Aber dass mir von manchen Zeitgenossen vorgeworfen wird, ich würde verständlich reden, finde ich erstaunlich. Als müsse ein deutscher Professor gefälligst unverständlich sein.

Was kann uns denn die Hirnforschung über das Lernen lehren?

Spitzer: Zum Beispiel, dass Menschen in verschiedenen Lebensphasen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit lernen.

Was heißt das?