Die Armee der Bewahrer hatte ihre Vorderlader mit schwerer Wort-Munition bestückt: Eine "Missgeburt" sei der Juniorprofessor, ein "undurchdachter Feldversuch", der zur "McDonaldisierung des Weges zur Professur" führe. Die Schüsse donnerten, doch sie verfehlten ihr Ziel. Schnell wurde klar, dass die Kritik pure Ideologie ist. Langsam wurde deutlich, dass die Juniorprofessur eine gute Idee ist. Nachwuchsforscher können seit zwei Jahren schneller in die wissenschaftliche Karriere einsteigen. Sie forschen und lehren frei, dienen nicht mehr als Assistenten einem Professor, müssen keine dicke Habilitationsschrift mehr anfertigen. Gut so!

Bei einer Tagung der Jungen Akademie in Halle Anfang Juli konnten sich 150 junge Wissenschaftler Argumente anhören, die schwerer wiegen als das Nörgeln der Ideologen: Probleme der Praxis. In Halle wurden die ersten Ergebnisse einer neuen Umfrage bekannt gegeben, die die Junge Akademie, ein ambitionierter Zusammenschluss von Nachwuchsforschern, mit Unterstützung der Bildungsdenkfabrik CHE bis vor kurzem durchgeführt hat. Die Mehrheit der Juniorprofessoren, die die 50 Fragen beantwortet hat, findet, was Wunder!, den eigenen Job gut. Doch viele leiden am Alltag: In manchen Fächern ist die Ausstattung mies. Und den Jungen, sagen sie ganz einhellig, fehlt die Perspektive; sie sind auf sechs Jahre berufen. Danach? Professor oder quasiarbeitsloser Privatdozent? Sie wissen es nicht.

Soll die Juniorprofessur ein Erfolg werden, muss sich das ändern. Her mit dem tenure track! Die Spur zur Dauerprofessur ist in den USA üblich. Sonst wandern die besten Leute beim erstbesten Angebot ab. Rauf mit dem Geld! Die Junioren brauchen bessere Ausstattung, um international mithalten zu können. Runter mit der Lehrbelastung! Wer zu lange im Hörsaal steht, hat zu wenig Zeit für Forschung.

In Kürze wird die Leistung der ersten Junioren zwischenüberprüft, daher muss es nun schnell gehen. Den Junioren droht sonst das Schicksal der (vom Konzept sehr ähnlichen) Assistenzprofessoren der siebziger Jahre. Die wurden nach kurzer Zeit von der Praxis erschlagen.