Herr Rehhagel, die Nation diagnostiziert eine Krise des Fußballstandorts Deutschland. Was muss getan werden, damit der Standort wieder attraktiv wird?

Krisen gibt es nur auf der Intensivstation. Fußballer, ihre Trainer, sie alle stellen keine weltpolitischen Weichen…

…jetzt verharmlosen Sie aber das Problem!

Erinnern Sie sich an das, was Michael Ballack angesichts der Pressekonferenzen der deutschen Nationalelf in Portugal gesagt hat? "Es war wie bei Staatsakten." Ein schöner Satz. Ballack hat Recht. Wo sind wir denn hingekommen?

Trotzdem: Was muss sich ändern?

Es darf nicht sein, dass ein 18-Jähriger zu mir kommt und ich den fragen muss: "Warum ist dein Kopfballspiel so schlecht?" Und der dann sagt: "Haben wir leider nicht geübt." Dann frage ich noch: "Und einen linken Fuß hast du auch nicht?" – "Der ist für meinen linken Schuh." Ich rate, die besten Lehrer zu den jüngsten Talenten zu schicken. Schon um die Zehnjährigen müssen sich Fachleute kümmern – nicht, wie trotz aller engagierten Honorartrainer hier und da immer noch üblich, der Hausmeister oder irgendein stolzer Vater, der zufällig zur Stelle ist. Wenn man Kindern sagt: "Kommt, wir machen heute Schusstraining", dann schießen die alle aufs Tor, egal, ob in Afrika oder in Oer-Erkenschwick. Der Spieltrieb ist überall. Aber die Frage ist doch: Wie schießt man aufs Tor? Wie schneidet man einen Ball an? Es gibt diese Experten für Bananenflanken, die dafür sorgen können, dass der Ball tückisch angeschnitten in den Strafraum segelt. Und das ist das Seltsame in Deutschland: Wir nehmen den Fußball so wichtig, nicht aber die Ausbildung. Wenn aber einer Klaviervirtuose werden will, dann muss er auch den besten Pianisten als Lehrer haben.

Wäre Erfolg damit gewährleistet? Wachsen so neue Schweinsteigers und Podolskis heran?