Kulturwissenschaft Die Neugier des PaschasSeite 2/2
Das ist Neuland. Auch Mohammed Dajani ist ein Pionier. Der palästinensische Professor hat vor gut einem Jahr den ersten Diplomstudiengang in Amerikastudien in der arabischen Welt gegründet. An der al-Quds-Universität in Jerusalem studieren die Kinder der Intifada. „Sie sollten einmal sehen, wie sich das Denken verändert!“, erzählt er stolz. „Die Studenten kommen zu uns mit ihrem ganzen Hass auf den Westen. Hier lernen sie, die Politik zu analysieren und dann die USA begründet zu kritisieren.“ Er will mit seinem Institut den Dialog mit dem Westen verbessern: „Die Araber sprechen zum Westen, aber sie bleiben dabei im Duktus ihres Denkens“, beschreibt er. „Wir wundern uns dann, dass uns niemand zuhört.“ Durch das Studium westlicher Geistesgeschichte soll eine neue Elite entstehen. Eine, die es versteht, sich in die andere Seite hineinzuversetzen und sich für den Westen verständlich auszudrücken. Ein Think Tank zur Beratung der eigenen Regierung sei sein Institut nicht: „Die arabischen Regierungen sind es nicht gewohnt, Empfehlungen von unabhängigen Wissenschaftlern einzuholen. Sie entscheiden nach ihren eigenen Mustern.“ Professor Dajani wird von der Palästinensischen Autonomiebehörde misstrauisch beäugt. Der Antiamerikanismus in der Region färbt auf die Erforscher des Westens ab.
Davon berichtet auch Manar al-Shorbagy vom frisch gegründeten Zentrum für Amerika-Studien an der Amerikanischen Universität von Kairo. „Die Menschen sind sehr skeptisch. Die US-Regierung hat mit ihrer Kampagne zur Gewinnung der Herzen und Köpfe der Muslime – die ja ein großer Flop ist – enormen Schaden angerichtet“, sagt sie. Die Menschen wüssten nicht mehr, wer der amerikanischen Propaganda verpflichtet ist und wer im Interesse der arabischen Sache wissenschaftliche Forschung betreibt.
Gerade deswegen ist es ihr so wichtig, dass ein guter Teil der Finanzierung ihres Fachbereichs aus arabischer Quelle – aus eben jener Schatulle des Prinzen Waleed bin Talal – stammt. Die Regierung in Washington begrüßt das neue Forschungsinteresse in der Krisenregion. Schließlich, hat im vergangenen Herbst eine US-Expertenkommission, die Rezepte gegen den wachsenden Antiamerikanismus in der Region entwickeln sollte, die Förderung von Amerika-Studien ganz oben auf ihre Empfehlungsliste gesetzt. „Wir wissen, dass es da ein Dilemma gibt“, erklärt Ann Radwan von der Fulbright-Kommission in Kairo: „Wir wollen helfen, aber wir wissen auch, dass zu viel Hilfe aus den USA für manche Projekte schädlich sein kann.“ Wer lässt sich schon gern von seinem Forschungsgegenstand finanzieren? Das macht die Wissenschaftsergebnisse unglaubwürdig. Schließlich geht es bei der Erforschung des Westens nicht nur um die Förderung des Dialogs der Kulturen, die Verbreitung von Demokratie und Reform. Westforschung ist auch die Erforschung des Feindes. Es geht um strategisches Wissen in den Zeiten der Krise.
- Datum 01.07.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 01.07.2004 Nr.28
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