Stimmt's? In den Kuchen gespuckt

Stimmt’s, dass es dem Essen schadet, wenn es mit Spucke in Berührung kommt? Ich behaupte beispielsweise, dass ein Kuchen eventuell nicht mehr wunschgemäß im Backofen aufgeht, wenn man vorher mit einem abgeleckten Löffel im Kuchenteig herumrührt. Mein Freund aber sagt, das sei alles Quatsch, und stochert weiter mit abgelecktem Besteck/Fingern im Essen herum. Wer hat Recht? Mira Manck, Saarbrücken

Zunächst einmal gibt es natürlich hygienische Einwände gegen das Herumrühren mit einem abgeleckten Löffel: Unser Mund ist ein Biotop für Bakterien, harmlose wie gefährliche. Die werden mit dem Besteck übertragen, finden in den Lebensmitteln einen schönen Nährboden und verbreiten sich dann beim Essen zum nächsten Wirt weiter. So können zum Beispiel Kariesbakterien von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.

Nun könnte Ihr Freund einwenden, dass Sie beide ja schon auf andere Weise alle möglichen Keime ausgetauscht hätten, sodass das Ablecken da auch nicht mehr viel ändert. Dann haben Sie aber noch ein anderes, gewichtigeres Argument an der Hand: Unser Speichel enthält nämlich ein Enzym, die so genannte Amylase, das bei der Verdauung eine große Rolle spielt – es spaltet Stärke auf und verwandelt sie in Zucker (genauer gesagt: in Maltose). Enzyme wirken katalytisch, sie begünstigen chemische Reaktionen, werden dabei selbst aber nicht verändert. Das bedeutet, dass eine winzige Menge Spucke eine große Menge Stärke zerlegen kann. Mehl ist zum großen Teil Stärke, und deshalb haben Sie Recht mit Ihrer Vermutung: Der Speichel verdaut sozusagen den Teig schon in der Schüssel, und das tut dem Kuchen nicht gut. Also: Löffel sofort raus aus Teig und Soße!

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • Gyro
    • 19.11.2008 um 23:47 Uhr

    "Spucke enthält Amylase welche Stärke in Maltose (Zucker) umwandelt."
    Mag ja sein, aber mir fehlt hier die empirische Verifizierung, der praktische Beweis. Gedankenexperiment: ich verrühre Mehl mit Wasser und spucke in diesen dünnen Teig. Habe ich dann etwa am nächsten Morgen eine Schüssel voll Maltose? Das bezweifle ich doch sehr.
    Und selbst wenn die Amylase munter die Stärke spalten würde: etwa der Backhefe kann das eigentlich nur recht sein.
    Also, für mich klingt das eher nach Sophisterei ...

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