sicherheit Big Brother in OlympiaSeite 3/3
Den Einsatz biologischer oder chemischer Waffen halten die Terrorexperten für unwahrscheinlich. »Es gibt nicht den Hauch eines Hinweises darauf, dass al-Qaida über gefährliche biologische Waffen verfügt«, sagt der Hamburger B-und-C-Waffen-Experte Jan van Aken. Es sei zwar denkbar, dass Terroristen sich auf dem internationalen Schwarzmarkt eine Senfgas-Granate besorgen. »Aber mit derselben Menge Benzin kann man mehr Schaden anrichten«, sagt van Aken. »Mit einfachen chemischen Waffen lässt sich kein fernsehtaugliches Bild erzeugen, das Angst macht.« Gerade darin besteht aber eines der Hauptziele möglicher Terroristen.
Und wie steht es mit der Angst, potenzielle Übeltäter könnten auf den Olympia-Baustellen Sprengstoffdepots für den Tag X angelegt haben? Sicherheitssprecher Ikonomou winkt ab: »Bevor eine olympische Anlage freigegeben wird, findet ein intensives Screening mit Spezialisten und Spürhunden statt.« Dieser als »Lock-in« bezeichnete Prozess hat vergangene Woche endlich begonnen. Aber kann ein solcher Check hundertprozentig sein?
Die Möglichkeit, dass ein Depot auffliegen könnte, mache diese Strategie für Terroristen unattraktiv, sagt Kai Hirschmann. »Terroristen sind risikoscheuer, als man denkt.« Zumindest in dieser Hinsicht kann er deshalb der viel gescholtenen »Sirtaki-Bauweise« der Griechen – erst gaaanz langsam, dann langsam, dann ein bisschen Tempo und zuletzt ein atemberaubend rasantes Finale – etwas Positives abgewinnen. »Das griechische Chaos könnte hier sogar von Vorteil sein.«
Wie auch immer die Spiele verlaufen werden, für die Athener selbst könnte sich die Investition in das sündhaft teure C4I-System als zweischneidiges Schwert entpuppen. Denn nach dem Ende der Spiele bleibe die gesamte Überwachungsinfrastruktur bestehen, bestätigt Sprecher Ikonomou. Sie wird dann vermutlich nicht nur zur Kontrolle des Straßenverkehrs eingesetzt, sondern auch zur Suche nach »verdächtigen Elementen«. Selbst wenn die olympische Flamme nach den Spielen wieder erlischt – den Geist von Big Brother wird Athen so bald nicht mehr los.
- Datum 08.07.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 08.07.2004 Nr.29
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