Bildung Nie mehr sitzen bleibenSeite 2/2

Infolge der Pisa-Studie geschieht neuerdings einiges, um mit der Kultur des Aussonderns und Abschiebens zu brechen. Bremen, das Bundesland mit den meisten Sitzenbleibern, bietet eine Sommerschule an, die versetzungsgefährdeten Schülern zum Sprung in die nächste Klasse verhilft. In Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz sollen Nachprüfungen die Sitzenbleiberquote senken. In Berlin und Schleswig- Holstein müssen die Lehrer für Schüler mit schlechten Noten einen Bildungsplan entwickeln, damit sie das Klassenziel erreichen.

Preiswerter, wie manche glauben, ist die neue Politik nicht. Die Mittel, die man durch weniger Sitzenbleiber übrig hat, werden nicht ausreichen, um die notwendige individuelle Förderung zu finanzieren. Freilich fehlt nicht Geld in erster Linie, sondern der Wille, eine andere Lernkultur zu schaffen. Die Zeiten, in denen sich Schulen mit einer hohen Sitzenbleiberquote als Merkmal besonderer Qualität brüsten, mögen auch in Deutschland zu Ende gehen. Das Sitzenbleiben ganz abzuschaffen wagt bislang jedoch niemand.

Solange Lehrer nicht verantwortlich für den Lernerfolg ihrer Schüler gemacht werden, solange Schulen ihren »Lernschwachen« das Gefühl geben: Du gehörst hier nicht hin, wird sich in deutschen Klassenzimmern nichts Grundsätzliches ändern. Und so lange wird Deutschland in allen internationalen Schultests weiter – sitzen bleiben.

 
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