Hochschule Campus, fünf vor zwölfSeite 3/3

Tübingen

Der Leiter der Medienabteilung ist in Eile, »freitags sind die guten Sachen immer so früh weg«, sagt er und hetzt zur Theke. In der Cafeteria im Erdgeschoss des Neuphilologikums der Eberhard-Karls-Universität klappert es geschäftig, einige Studenten sitzen hier die Vorlesung »Sozialgeschichte der Pädagogik« aus. Strebsamere lassen sich nebenan bis 14 Uhr in die französische Sprache der Renaissance oder bis 13 Uhr ins Altisländische einführen. In den höheren Etagen ist aber schon das Wochenende eingezogen. Wer im fünften Stock aus dem Aufzug tritt, trifft nur noch verlassene Stühle an, vor Büro 552. Professor Walter Jens, dessen Name in Klebeband gestanzt an der Tür steht, ist hier allerdings schon einige Jahre nicht mehr. Dafür dringen aus Zimmer 548 Lebenszeichen. Drinnen wird aber nicht geforscht, sondern gefeiert – der Abschied einer Sekretärin. »Wir können deshalb heute nichts Ernsthaftes mehr machen«, komplimentiert einen ein Mitarbeiter vom Rhetorischen Seminar vor die Tür, an der ein Zettel »Komme gleich wieder« verspricht. Gunther Reinhardt

München

Wer entspannt studieren will im hoffnungslos überfüllten Geschwister-Scholl-Institut, sollte auf Randtermine ausweichen. Also nicht DiMiDo, wenn alle kommen. Sondern am Freitag. Dann herrscht in dem verwinkelten Institutsgebäude am Englischen Garten eine ziemlich entspannte Atmosphäre. Gerade mal sechs von mehr als hundert Lehrveranstaltungen sind für diesen bei Professoren wie Studenten gleichermaßen unbeliebten Tag angekündigt. Darunter eine Übung zur Empirischen Politikforschung. Immerhin 24 Studentinnen und Studenten haben sich zu unchristlicher Zeit zum Magister Maximilian Grasl in die zweistündige Übung bequemt, um zu lernen, wie man arithmetisches Mittel, Median oder Standardabweichung berechnet. Nicht schlecht für einen Freitag. Vielleicht hat der Hinweis in der Kursausschreibung gewirkt, Methodenkenntnisse seien bei Politikwissenschaftlern durchaus arbeitsmarktrelevant. Grasl bucht den Freitag gerne, weil da immer freie Räume zu haben sind. Außerdem ist am Nachmittag mit Blasmusik vom nahen Biergarten zu rechnen. Georg Etscheit

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