Sie haben sich im Auftrag von Microsoft mit der "digitalen Mentalität" von Raubkopierern beschäftigt. Das Raubkopieren von Software ist ein Massenphänomen, aber auch ein Straftatbestand. Warum sind die Leute so unbekümmert?

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Raubkopieren im privaten Bereich und in Unternehmen. Während es privat als Kavaliersdelikt gilt, wird es im Unternehmensbereich nicht nur als Straftat erkannt, sondern auch verurteilt. Und nur wenn das so ist, handelt man auch danach.

Sie konnten unterschiedliche Typen von Software-Nutzern identifizieren. Welche sind das?

Die "Pragmatiker", etwa die Hälfte, sind Menschen, die ihren Computer zu Hause nur für das Nötigste nutzen. Die brauchen gar nicht alles, was in den Software-Paketen angeboten wird, und wollen kein Geld dafür ausgeben. Der "Hobby-User" kopiert in einer Jäger-und-Sammler-Mentalität alles, was er bekommen kann. Die dritte Gruppe sind die "PC-Profis", die es sich gar nicht leisten können, raubkopierte Software zu verwenden. Die kleinste Gruppe, die "PC-Freaks", hat eine hohe Technik-Affinität. Die hält es für legitim, Software zu kopieren.

Die Filmindustrie will Raubkopierer abschrecken, indem sie mit Verfolgung und Strafe droht. Soll die Software-Industrie das auch tun?

Wir empfehlen das nicht, weil jeder Raubkopierer von heute ein potenzieller Kunde ist. Man sollte sie nicht als graue Masse sehen, sondern verstehen, dass es unterschiedliche Motive gibt. Dann kann ich sie differenziert ansprechen.