Van Lear, das ist die Kohlenmine, in der ihr Vater gearbeitet hatte, Rose, das ist ihre Mutter, die jener Fremde einst geheiratet hatte, Van Lear Rose, das ist jene Art von Song, bei der sich Kitsch und Kunst die Waage halten, Entsetzen und Begeisterung, bis die Stimme den Ausschlag gibt und man alle kritischen Waffen streckt. Ein tolles, dreckiges Lachen, eine unglaublich junge Stimme, vibrierend und nasal, wofür es im Englischen das schöne Wort twangy gibt, die Emphase eher tief gelegt als hoch gehandelt. Selbst das Unglück in Trouble On The Line wird so erträglich, die Tragik von Family Tree oder der Blues der weißen Frau in Have Mercy oder Women’s Prison. Und schon das Sprechen verwandelt sich in Musik, wenn sie zu dem kleinen Gitarrenmotiv aus on the road- Zeiten die Geschichte von den Little Red Shoes erzählt. Über guten Geschmack ist hier nicht zu diskutieren, das blaue Ballkleid ist so wirklich wie das alte Kentucky-Home, das sie auf ihrer Ranch in Nashville nachbauen ließ. Die Texte sind das Leben, die Musik ist der Film dazu.

Loretta Lynn: Van Lear Rose (Interscope Records 060249 8189559)