Ägypten Helfen, beten, kämpfenSeite 4/4
Warum der Regierung das sogar nützt, wurde auf einer Kundgebung gegen die US-Intervention im Irak Anfang 2003 sichtbar. Das Regime brauchte damals eine laute, aber kontrollierte Demonstration. Man fragte die Muslimbrüder. Sie brachten innerhalb weniger Tage über 100.000 Menschen zusammen. Die Stärke der Muslimbrüder darf zugleich als Rechtfertigung des autoritären, im Land zunehmend isolierten Regimes herhalten: »Seht her, wenn wir nicht wären, hätten die Islamisten die Macht.«
Ein hochrangiger Berater der Regierung hält diese Logik für wirr und dreht das Argument um: »Die Muslimbrüder blühen doch auf unter diesem Regime. Nur in einer Demokratie können Alternativen zu den Islamisten wachsen.«
Über die Folgen der Freiheit darf man spekulieren: Würde die Basis der Muslimbrüder wirklich schrumpfen? Würden säkulare Parteien oder die moderaten Islamisten von Wasat aufsteigen? Meinen sie es ernst mit der Demokratie? Wer es vor lauter Furcht nicht ausprobiert, wird es nie erfahren. Bis den Muslimbrüdern die Macht vielleicht irgendwann von selbst in die Hände fällt.
- Datum 22.07.2004 - 14:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 22.07.2004 Nr.31
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



