DIE ZEIT: Der Titel Ihrer jüngsten Vorlesung lautet: Unser Universum und andere. Wer sind die anderen?

John Barrow: Eine Lieblingsbeschäftigung der Kosmologen besteht darin, unser Weltall mit anderen, hypothetischen Universen zu vergleichen. Diese haben meist nur geringfügig andere Eigenschaften. Astrophysiker versuchen zunächst zu verstehen, wie unser Universum beschaffen ist. Dann müssen sie herausfinden, warum es so und nicht anders ist.

ZEIT: Wie viele andere Universen gibt es denn?

Barrow: Eigentlich unendlich viele. Die Physik lässt Universen zu, die sich in jeder Richtung mit einer anderen Geschwindigkeit ausdehnen, oder solche, die rotieren und sich chaotisch verhalten. Unser All ist zum Glück ziemlich einfach. Es expandiert mit derselben Rate in alle Richtungen. Hier und da trifft man zwar auf einige Klumpen – Galaxien und Galaxien-Cluster. Aber im Durchschnitt sind diese Unregelmäßigkeiten sehr klein.

ZEIT: Existieren die anderen Universen wirklich?

Barrow: Wer weiß… Für die Beschreibung unseres eigenen Kosmos spielt das keine Rolle. Nach dem Standardmodell der Kosmologie kann es in unserem Universum durchaus Regionen geben, die sich von dem für uns sichtbaren All stark unterscheiden. Man könnte die ganze Vielfalt möglicher Universen an unterschiedlichen Orten in einem einzigen All vorfinden – oder in einem metaphysischen Sinn von anderen Universen sprechen.

ZEIT: Könnten wir dorthin reisen?