arbeitsmarkt Auf Krücken vorwärtsSeite 3/3

Das ist bei mehr als 17000 Langzeitarbeitslosen in der sächsischen Landeshauptstadt ein quantitativ nicht gerade üppiges Angebot. Doch der umtriebige Bürgermeister Kogge bleibt Optimist, auch weil er in Thomas Wünsche, dem Chef der Dresdner Agentur für Arbeit, einen höchst engagierten Mitstreiter hat. Der glaubt an den Erfolg besserer Vermittlung. »Auch durch Belästigung«, wie er schmunzelnd droht.

So wird es auch denen an den Kragen gehen, die ihre Stütze durch Schwarzarbeit verbessern. »Dadurch, dass man den Druck erhöht, einen Job anzunehmen, werden die halblegalen und illegalen Beschäftigungsverhältnisse schwieriger«, argumentiert die Potsdamer Staatssekretärin Schlüter. Allein in Brandenburg arbeiten nach Angaben der Berufsverbände mindestens 30000 meist arbeitslos gemeldete Bauarbeiter schwarz. Dank staatlicher Lohnzuschüsse wird es für sie leichter, einen regulären Job zu finden. Sofern sie wollen.

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Allerdings wird gerade im Osten vieles beim Alten bleiben. Ob man das Angebot für Jugendliche »Arbeitsgelegenheit« tauft oder einem auf dem Markt nicht mehr gefragten Fünfzigjährigen eine »gemeinnützige zusätzliche Arbeit« anträgt – das sind praktisch die bekannten ABM-Stellen. Na und?, denkt wohl Bundeskanzler Gerhard Schröder. Wie könnte er sonst proklamieren: »Wir brauchen eine Menge Arbeitsplätze im zweiten Arbeitsmarkt.«

Offensichtlich hat er den Anschluss an die Diskussion verpasst. Denn die Erfahrungen mit ABM sind ernüchternd. Regina Mannel: »Die Vermittlung auf Jobs am regulären Arbeitsmarkt ist einfach nicht möglich, wenn keine Arbeit da ist.« Von »Krücken« spricht in Dresden Thomas Wünsche, und die sächsische Sozialministerin Orosz ergänzt: »Das kann immer nur eine Übergangs- oder Notlösung sein, weil es ganz schnell zu Konflikten mit dem ersten Arbeitsmarkt kommt.« Überträgt eine Stadt beispielsweise die Pflege ihrer Grünanlagen einer subventionierten Beschäftigungsgesellschaft, dann geht der Auftrag einem Gartenbaubetrieb verloren, der dann Arbeitskräfte entlassen muss.

Unterm Strich ist für IWH-Forscher Buscher klar: »Das Hartz-Konzept ist eher ein West-Konzept.« Aber vielleicht wird ja die Komplexität der Fragebögen zu einer Quelle der Arbeit. Ein durchschnittlicher Arbeitsloser wird Mühe haben, den Antrag, der ihm dieser Tage auf den Tisch flattert, korrekt auszufüllen. Bis Mitte November müssen die Anträge zurück bei der Bundesagentur für Arbeit sein. Andernfalls ist die pünktliche Auszahlung des künftigen Arbeitslosengeldes von Januar 2005 an gefährdet. Allein in Berlin sind nach Schätzung der Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner fast 1000 zusätzliche Berater nötig. Wenn das keine Idee für ein umfangreiches Arbeitsbeschaffungsprogramm ist.

 
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