Südafrika
Im Revier des Schakals
Die »Coloureds«, die Mischlinge, in Südafrika kämpfen weiter um ihr Überleben in den Ghettos, in die sie das weiße Regime deportierte. Gewalt ist das Einzige, das hier blüht. Die schwarze Regierung tut nichts gegen das Elend
Tannie zieht die Gardine zurück und schaut auf das kahle Feld hinter ihrem Haus. Das Gelände der Red-River-Grundschule, ungefähr vier Fußballplätze groß, baumlos, bretteben, umzäunt mit mannshohem Maschendraht. »Das ist das sagt Tannie. Das Feld des Tötens. »Wir nennen es so, weil da die Banden kämpfen. Oft bleiben Schulkinder tot liegen, weil sie ins Kreuzfeuer geraten sind.« Letztes Jahr waren es zwölf. Manchmal liefern sich die Banden richtige Kriege. »Das nennen wir dann Die Zeit des Tötens.
Es ist Montag, Schultag, aber kein einziges Kind ist zu sehen. In einigen Klassenzimmern sind die Fensterscheiben zerschossen. Hinter der Schule ragt, fern und unwirklich, ein blauer Berg in die Wolken – der Devil’s Peak, der zweithöchste Gipfel im Tafelbergmassiv. Er erinnert uns daran, dass wir in Kapstadt sind, am schönsten Ende der Welt, wie es heißt, im friedlichen Südafrika. Sonst könnte man meinen, in Mogadischu gelandet zu sein. Die zerstörte Gebäudezeile, die wir auf dem Wege zu Tannie passierten, sah aus wie die Ruinen in der vom Bürgerkrieg geschundenen somalischen Hauptstadt. Das kleine Ziegelhaus, in dem die Sozialarbeiterin wohnt, liegt an einer Zonengrenze. Nicht die Hoheitsgebiete von Clanmilizen stoßen hier aneinander, es sind die von Straßenbanden.
»Wir leben in einem Kriegsgebiet.« Tannie zieht die Gardine wieder zu. Das Kriegsgebiet heißt Manenberg. Es ist eine Township in der windzerzausten Ebene zwischen Atlantik und Indischem Ozean, ein Ort der Armut und Gewalt, den die Kriminellen beherrschen. »Die Apartheid«, klagt Tannie und blickt auf das Porträt von Präsident Thabo Mbeki über ihrem Bett, »die Apartheid ist bei uns noch nicht vorbei.«
Sie heißt eigentlich Erika Rosina Wagenaar, aber jeder ruft sie Tannie, was so viel wie Tante bedeutet. Sie ist 59, eine dicke, runde Frau und eine Institution in Manenberg. Sie hat das erste Bürgerforum gegen Verbrechen gegründet. Ihr Haus ist eine Kombination aus Suppenküche, Kinderhort und Krisenzentrum. Manchmal kommen sogar die Gangster, um sich bei ihr auszuheulen. Die Polizei schätzt die resolute Frau, die Bandenchefs respektieren sie. Sie tröstet. Sie mahnt. Sie schimpft. Sie kämpft. Das Leben im Slum ist ein einziger Kampf. Nebenbei hat sie 15 Kinder auf die Welt gebracht, acht leben noch.
Aber es gibt Tage, da verlässt auch Tannie der Mut. Der Tag im Mai vor zwei Jahren war so einer. Damals lagen acht Tote in ihrer Straße, die meisten noch halbe Kinder. »Irgendwann kannst du es nicht mehr aushalten, irgendwann drehst du durch … ständig die Schießereien, nachts, in der Dämmerung, am helllichten Tag … und alle werden zu Tieren, alle schießen mit … die Jungs, die du kennst … und keiner fliegt ins Gefängnis … und niemand hat was gesehen … ah, Schande über Manenberg!« Tannie redet atemlos, ohne Punkt und Komma. »Manchmal ist es zum Davonlaufen. Aber wo sollen wir hin? Die Buren haben uns hier abgekippt.«
37 Morde verzeichnete die Polizei in einem einzigen Monat
Die Buren, die weißen Herren, die sich den Group Areas Act ausgedacht hatten. Das perfideste Gesetz der Apartheid sah vor, dass alle »Rassen« in getrennten Lebensräumen glücklich werden sollten. In den sechziger Jahren begann die Massenvertreibung von 3,5 Millionen Menschen aus so genannten weißen Gebieten. Sie hatten die »falsche« Hautfarbe, Schwarz oder Braun, sie waren Afrikaner, Inder, Kap-Malaien oder die letzten Nachfahren der Khoisan, der Ureinwohner. Ganz im Süden des Landes wurden sie auf die Cape Flats zwangsumgesiedelt, auf die staubige Ebene vor Kapstadt.
Die Mehrheit der Manenberger sortierte die Rassenbiologen in die Kategorie coloured – Mischling oder Farbiger (siehe Suche nach Identität ). Viele hatten im District Six gelebt, in einem bunt gemischten Viertel nahe dem Stadtzentrum, und es war, als hätte man ihnen die Wurzeln abgeschnitten, sie wuchsen jedenfalls nie richtig an in ihrem neuen Wohnort. Die Infrastruktur war miserabel, Schulen und Kliniken befanden sich in einem erbärmlichen Zustand, Arbeit gab es wenig, Zukunft noch weniger. Die künstlichen Siedlungen waren ein idealer Nährboden für das Verbrechen.
Kriminalkommissar Jeremy Vearey, selbst ein coloured, zählt die Folgen der Deportationen auf, langsam und anklagend: Alkoholismus, Drogensucht, kaputte Familien, Verrohung, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Weiße, die in sein Büro kommen, haben meistens nicht die geringste Ahnung von den Zuständen in Hanover Park, Bonteheuwel, Elsies Rivier, Lavender Hill, Wesbank, Lotus Rivier oder Manenberg. Sie kennen die Namen dieser Ghettos nur aus den Gruselgeschichten der Cape Times , und wenn sie von schweren Kämpfen zwischen den Americans und den Taliban lesen, dann klingt das für sie so weit weg wie Afghanistan oder der Irak – dabei sind die Americans und die Taliban zwei Banden, die sich kaum zwanzig Kilometer von ihrer Wohlstandsinsel entfernt bekriegen.
Allein unter dem Sternenbanner der Americans marschiert eine Armee von 10.000 Jungkriegern. Kriminalstatistiker schätzen die Gesamtzahl der Gangster in den Townships vor Kapstadt auf 114.000 bis 117.000. In den Streitkräften Südafrikas dienen 70.000 Mann. Die Polizei beschäftigt 110.000 Beamte – im ganzen Land.
Jeremy Vearey ist in Elsies Rivier aufgewachsen, und vermutlich kennt kein zweiter Polizist das Innenleben der Banden so gut wie er. Denn 1980, als der erste große Bandenkrieg ausbrach, war er selbst noch Gangster, bei den Sicilians. Man sagt ihm nach, dass er mit Waffen gehandelt habe, zunächst aus rein kriminellem Antrieb, dann im Dienste des Befreiungskampfes. Später wurde Vearey Geheimdienstagent, nach der Wende Polizeichef in Elsies Rivier. Heute ist er einer der Chefstrategen im Kampf gegen das Bandenwesen.
Die Gangs organisieren Diebeszüge und Raubüberfälle, verdienen an Prostitution und am Glücksspiel, handeln mit Waffen und Rauschgift, erpressen Schutzgelder, kassieren Straßenmaut und schenken in shebeens, illegalen Kneipen, Schnaps aus. Die kriminellen Umtriebe haben die weiße Regierung nicht sonderlich beunruhigt, solange die Leidtragenden Farbige oder Schwarze waren und sich die Aggressionen nach innen richteten, gegen die eigenen Brüder und Schwestern, erklärt Vearey. Manchmal benutzte das Regime die Unterwelt sogar im Kampf gegen den Widerstand. »Viele Gangster standen im Solde der Polizei. Sie mordeten in den Todesschwadronen der Apartheid mit. Verstehen Sie?«
»Manenberg ist eine absolute no-go-area«, blockt der Dienst habende Beamte zunächst ab, lässt sich dann aber doch dazu überreden, uns in die Township zu eskortieren, zu Tannie Wagenaar. »Aber Sie gehen auf eigene Verantwortung rein.« Es gibt Monate, da wird jeden Tag jemand umgebracht. 37 Morde verzeichnete die Polizeiwache Manenberg im Mai 2003.
Das erste Bild, das aus einer Betonwand herausschreit, ist wie eine letzte Warnung: Scream, die bleiche Geisterfratze aus dem gleichnamigen Horrorfilm. Zwei Straßen weiter steht das Skelett eines Gebäudes, in dem einmal kleine Geschäfte waren, Soppy’s Café, die Friendly Fisheries. Jetzt gibt es gar keine Läden mehr in Manenberg. Die Big Five, die fünf herrschenden Banden – Americans, Hard Livings, Dixie Boys, Jesters und Clever Kids – haben sie mit vereinter Feuerkraft zerstört.
Die Bande sichert das Überleben, sie ersetzt die Familie
Die Straße ist gesäumt von Blechhütten, Holzverschlägen, Wohnlöchern. Ein nackter Knirps pinkelt an eine Mauer. Mädchen spielen mit Stromkabeln Seilhüpfen. Ein Junge hängt zugekifft in einer Baumschaukel. Dann tauchen die ersten Mietskasernen auf, das Labyrinth der Freitreppen zwischen den Blöcken, die verrotteten Innenhöfe, über denen die Wäsche im Südostwind flattert. Die Wohnmonster tragen schöne Frauennamen wie Belinda, Hilda, Isabel. Dazwischen weite Brachflächen. Kein Baum, kein Strauch, kein Grün. 72 Prozent der Bewohner sind arbeitslos. Die beiden Haupttodesursachen bei jungen Männern sind Mord und Aids. Manenberg, das sind 50.000 Menschen auf zwei Quadratkilometern Trostlosigkeit.
Wir biegen in den Thames Walk ein. Seit dem letzten großen Krieg im Jahr 2001 nennen ihn die Leute die Straße des Todes. Ein halbes Jahr lang wurde damals gekämpft, Tag für Tag, im Zwölf-Stunden-Takt, jeweils morgens und abends, wenn die Polizisten zum Schichtwechsel auf ihr Revier kamen. In fünf Monaten starben 103 Menschen. Die Polizei musste seinerzeit kapitulieren – im Stadtbezirk, in dem auch Manenberg liegt, ist ein Häuflein von achtzig Mann für 200.000 Einwohner zuständig. Erst als die Regierung eine Spezialeinheit der Armee entsandte, konnte der Wahnsinn gestoppt werden.
»In den Sommerferien geht es garantiert wieder los, das ist jedes Jahr so«, fürchtet Volonté Alberts. Die junge Mutter lebt am Thames Walk, und schon ihre zweijährige Tochter weiß, was sie im Ernstfall zu tun hat: Türen verrammeln, auf den Boden kauern, nicht mehr bewegen, um keinen Querschläger abzubekommen. »Fünf Minuten nach der Schießerei sind die Leute wieder auf der Straße. Es ist wie nach einem Regenschauer.«
Aber der Schrecken bleibt, vor allem in den Seelen der Kinder. Nach einer Umfrage der Tageszeitung Cape Argus haben 45 Prozent der Minderjährigen in Manenberg die Leiche eines ermordeten Verwandten gesehen. Jedes dritte Kind musste miterleben, wie jemand in der eigenen Wohnung erschossen oder erstochen wurde.
Tannie begleitet uns zu den Clever Kids, die den Sektor gleich gegenüber dem Bahnhof Nyanga Junction kontrollieren. An jeder Kreuzung, vor jedem Block hängen Pulks von Halbstarken herum, deren Blicke uns scannen. Ihr Straßenfunk arbeitet schneller als das Telefonnetz. Wir sind keine zwei Minuten hier, schon steht der Anführer der Clever Kids vor uns: Jakkals, der Schakal.
Dies ist sein Revier. Er ist der absolute Herrscher. »Was habt ihr hier zu suchen?« Jakkals lehnt sich gegen das Autofenster. Vermutlich wäre die Begegnung ziemlich unangenehm ausgegangen, aber da sieht er Tannie auf dem Beifahrersitz. Sie erkundigt sich gleich nach seinem wunden Fuß, Jakkals wurde vor einem halben Jahr angeschossen. »No problem«, knurrt er und lächelt grimmig. Das Eis ist gebrochen. Jakkals sagt, er sei 33. Er sieht aus wie 50. Sein Körper erzählt seine Vita, die zahllosen Narben, Messerstiche, Brandwunden und Knochenkrater, die die Kugeln aufgerissen haben. Dazu die Tätowierungen, kriegerische Symbole, Dollarzeichen. Auf seiner Brust prangt die Aufschrift Clever Kids, darunter mummy & daddy. »Die Gang ist deine Frau, dein Kind, deine Mutter. Nur der Tod kann dich von ihr trennen. So läuft’s«, sagt er.
Jakkals wuchs als Halbwaise auf, sein Vater hat ihn ausgesetzt, mehr will er aus dem »Leben vor der Gang« nicht berichten. »Allein hast du keine Chance im Ghetto. Sie verdreschen dich, sie klauen dir alles, was du am Leib hast. Du musst zu einer Gang.« Die Bande sichert das Überleben. Sie schenkt Geborgenheit, Brüderlichkeit, Anerkennung. Sie ersetzt die Familie. Die Väter der meisten Gangster sind wie Jakkals’ Vater: versoffene, prügelnde Verlierer. In einer vaterlosen Gesellschaft wird der Gangleader zum männlichen Leitbild. Jeder Junge will so unbesiegbar und cool sein wie er. Jeder träumt davon, im weißen BMW mit getönten Scheiben, Breitreifen, Alufelgen und Monsterbass durch die Straßen zu cruisen und die schönsten Mädchen aufzureißen.
Bandenboss Jakkals wirkt unter seiner viel zu großen Baseballkappe so schmächtig und harmlos wie ein hungriger Straßenjunge, und manchmal rutscht ihm ein Satz heraus wie dieser: »Ich bin ganz allein auf dieser Welt.« Vielleicht muss er deswegen gleich wieder den büffelstarken Macho geben und mit seiner Knarre herumfuchteln. »Wir haben mehr Gewehre als Soldaten!«
Jakkals stellt uns ein paar seiner »Soldaten« vor, dünne Knaben mit Greisengesichtern, 14, 15 Jahre jung. Sie tragen Nike-Sweaters, Turnschuhe von adidas, verspiegelte Sonnenbrillen, niemand soll in ihre glasigen Augen schauen, sie sind schwer auf Droge. Ein Kerl mit Krücken humpelt herbei, bordeauxrote Windjacke aus Fallschirmseide, schwere Goldkette, Haarsträhnen tief in der Stirn, böser Blick. Sein Nom de Guerre ist Terminator, die Kumpane preisen ihn als eiskalten Killer.
Wer in eine Gang aufgenommen werden oder in der Hackordnung aufsteigen will, muss seine Brutalität beweisen, schreibt der renommierte Bandensoziologe Don Pinnock. In der Regel wird der first kill verlangt, der erste Mord. Oder Vergewaltigungen nach einem Bonussystem, eine schwarze Straßennutte bringt wenige Punkte, eine weiße Studentin sehr viele. Pinnock vergleicht die urbanen Gewaltkulte mit den Initiationsriten von Naturvölkern. Jakkals präsentiert die Narben auf seinem Körper so stolz wie ein junger Dinka-Krieger seine Hautritzungen.
Novizen werden Schritt für Schritt in die Symbole, Rituale und die »Staatsordnung« der Bande eingeweiht. Die Americans haben eine mündliche Verfassung, einen Senat, ein Parlament, sogar ein Weißes Haus. Richter erzwingen Disziplin, Generale befehlen, madodas, einfache Soldaten, kämpfen. Die allgegenwärtige Kennung ist das Dollarzeichen, sie sprühen es auf Hauswände, fräsen es in Goldzähne, pinseln es auf Autos, kritzeln es auf Leichen.
Ein voll besetzter Kleinbus, Marke Toyota Hiace, stoppt. Zwei Clever Kids kassieren den »Wegzoll« ab, wie Raubritter im Mittelalter, nur dass sie keine Schwerter tragen, sondern Pistolen. Diese Art der Geldbeschaffung würde Jakkals allerdings nie zugeben. Und dass er die neue Hammerdroge tik-tik unter die Kids bringt, natürlich auch nicht. »Ich verkaufe gebrauchte Kleider an die Eingeborenen.« Eingeborene? »Ja, Mann, die Schwarzen.« Farbige Gangster wie er fühlen sich auf einer höheren Kulturstufe. Aber sie verehren die schwarze Subkultur abgöttisch, wenn die Götter aus den USA kommen.
Tupac Shakur, Notorious BIG, 50 Cent – man hört und sieht sie überall, die HipHop-Helden und Rapper mit ihren gewaltgeilen Rhapsodien aus den amerikanischen Ghettos. Das haushohe Wandbild an einer Mietskaserne zeigt Snoop Doggy Dogg und seine Hunde. »Thug Life« steht darunter, Banditenleben. Eine Ikone der globalisierten Gangsterkultur, in der sich die sozialen Realitäten der Townships spiegeln. Aber das martialische Gemälde ist nicht einfach so zu besichtigen. Es liegt auf der West Side, im Territorium der Hard Livings, das auf halber Höhe des Thames Walk beginnt, genau an der kugelzersiebten Mauer mit den 29 Einschlägen auf acht Quadratmetern. Sie markiert eine Zonengrenze für Jakkals. Er kann sie nicht überqueren, die Feinde würden ihn abknallen wie einen Hund. West Side gegen East Side, Manenberg ist gespalten in zwei Hemisphären – eine Reminiszenz an den Krieg der US-Rapper, als die Ostküste gegen die Westküste kämpfte, New York gegen Los Angeles, und Tupac und Notorious Big fielen.
Genau zwischen den Zonen steht das Haus von Tannie. Wie aus einem Gefängnis schaut sie durch das Stahlgitter ihrer Haustür hinaus auf das Niemandsland. Das Bild mit den Rehen im Winterwald, die Plastikrosen, die Kuschelecke für die Katzenfamilie – hier drinnen ist ihre kleine Gegenwelt. Und wieder erzählt sie, atemlos, ohne Punkt und Komma. »Die Hard Livings kommen von dort oben, die Americans und die Jesters von hier … manche ballern mit zwei Revolvern, wie im Western … Uzi, 38er, AK 47, R1, Baretta, ich kann alle Waffen nach den Schussgeräuschen unterscheiden … taktak … trrrrmmmmm … boffboff … meine Schwester wurde in diesem Sessel ermordet, mit einer Machete … so viele furchtbare Dinge.« Tannie schluchzt. Erschießen, erstechen, erschlagen, immer wieder das Wort doodmaak, totmachen auf Afrikaans. »Wenn eines meiner Kinder zu einer Gang ginge, ich würde es umbringen.«
Aber Gangster ist für die Mehrzahl der jungen Männer die einzige realistische Berufsperspektive, das hat sich auch nach dem Untergang der Apartheid nicht geändert, im Gegenteil. 1994, das Geburtsjahr des neuen Südafrikas, war auch ein Wendejahr für die Banden. Denn nun öffneten sich die Grenzen des bis dahin isolierten und geächteten Landes. Plötzlich gab es unbeschränkte Auslandsflüge, elektronische Finanztransfers, Kreditkarten, Handys, das Internet. Es gab neue Drogen, Crack, Ecstasy, Kokain, Heroin, Speed. Und es gab durch den freien Austausch von Gütern und Informationen auch für Gangster neue, ungeahnte business opportunities. Kriminelle aller Länder drängten ans Kap, Kartelle aus Nigeria, die Russenmafia, die chinesischen Triaden 14 K Hau und Wohing Wo.
Die einheimischen Banden schlossen Allianzen oder bildeten selbst Syndikate, um die Konkurrenz gewaltsam vom Markt zu drängen. Das mächtigste Kartell hieß The Firm, die Firma. Die Chefs mutierten von Strauchdieben und Mördern zu Geschäftsleuten. Sie investierten die Profite aus illegalen Deals in Discos, Nachtclubs und Bars, auch in den weißen Vierteln. Sie erwarben Weingüter, Mineralquellen und Rennpferde, rissen den Schmuggel begehrter Meeresfrüchte an sich, kauften halbe Küstenstädtchen auf.
»Das Bandenwesen eskalierte in den Jahren nach der demokratischen Wende dramatisch«, erklärt Wilfried Schärf vom Kapstadter Institute for Criminology. Es war die Zeit, in der der deutschstämmige Professor intensive Feldforschung betrieb und von den Born Free Kids heftig umworben wurde – er sollte aktives Mitglied ihrer Gang werden. »Auch unsere Unterwelt hat sich globalisiert, da unterscheidet sich Südafrika nicht von Russland oder der Ukraine«, sagt er. In allen Staaten, die durch eine Periode des radikalen Umbruchs gehen, blüht die organisierte Kriminalität auf, denn der neue, demokratische Staat steht noch auf schwachen Beinen, seine Institutionen sind durch den schnellen Wandel überfordert. Wie sollen etwa die zwei Drogenfahnder sämtliche im Hafen von Kapstadt einlaufenden Container kontrollieren? Es sind 75.000 pro Monat – 2.500 jeden Tag.
Rashaad Staggie, der Boss der Hard Livings, war der größte Gangleader von allen. Er kreuzte mit seiner Limousine durch die Straßen von Manenberg und warf Banknoten aus dem Fenster, 10.000 Rand, 20.000 Rand, je nach Gönnerlaune. Die Kids verehrten und fürchteten ihn wie einen Halbgott, und niemanden schreckte sein grausiges Ende ab. Rashaad wurde am 4. August 1996 von einer entfesselten Meute aus seinem Luxus-Jeep gezerrt, mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannt. In seiner Leiche steckten 60 Kugeln. Die Polizei sah untätig zu, und Fernsehteams filmten das makabre Schauspiel.
Auch Polizisten stehen auf den Lohnlisten der Gangs
Eine Organisation namens Pagad hatte den Mob aufgehetzt, People Against Gangsterism and Drugs. Geschäftsleute hatten diese Bürgerwehr 1996 gegründet; sie sollte bald zu einer Massenbewegung in den Cape Flats anschwellen. Pagad wurde vor allem von konservativen Muslimen unterstützt, die den allgemeinen Sittenverfall nach der Wende beklagten. In ihrem Feldzug gegen das Bandenwesen und den Drogenhandel mutierte die Pagad allerdings selbst zu einer kriminellen Vereinigung, die 1998 verboten wurde, nach einem Bombenanschlag auf das Restaurant Planet Hollywood, bei dem zwei Menschen starben. Die Kampagne der Saubermänner ging aus wie die Geschichte mit der Hydra. Sie hatten 28 Bandenchefs und Dealer umgebracht – und bei den nachfolgenden Verteilungsschlachten im Drogenmarkt doppelt so viele geschaffen.
Das Geschäft läuft besser denn je, insbesondere mit Mandrax und Cannabis. White Pipe, das Gemisch aus den beiden Rauschmitteln, wird in abgeschlagenen Flaschenhälsen geraucht. Wilfried Schärf, der Kriminologe, hat hochgerechnet, dass in den Townships der coloureds allein für diesen Mix jede Woche 18 Millionen Rand ausgegeben werden, rund 2,3 Millionen Euro. Jeder zweite Mischling, der in Kapstadt festgenommen wird, hat Mandrax im Blut. Es ist der Stoff, aus dem die Träume der Vorstädte sind. Die Bandenbosse benutzen ihn wie eine Währung, mit der sie ihre Leute bezahlen. Das haben sie von den weißen Herrenmenschen gelernt, die die schwarzen und farbigen Halbsklaven mit Naturalien entlohnten, bevorzugt mit billigem Wein.
Rashaad Staggie war der König der druglords. Tannie kannte ihn gut, irgendwie ist sie sogar stolz auf ihn – obwohl er sie für eine Polizeispionin hielt und aus dem Weg räumen wollte. Rashaad verkörperte den selbstbewussten Farbigen, wie Jimmy Jazz, Ernie Lapepa, Jackie Lonte und all die anderen Bandenchefs. Wenn Tannie ihre Namen ausspricht, tönt das wie ein romantischer Zwieklang aus Chicago und Robin Hood. »Tief drinnen waren sie ja doch good boys.«
Gute Jungs, die den Armen helfen. Die bei Begräbnissen spenden und Schuluniformen bezuschussen. Die Taxifahrten zum Hospital organisieren und Fußballturniere sponsern. Die Gangs sind die stärksten sozialen und ökonomischen Kräfte in den Townships, sie erfüllen Wohlfahrtsfunktionen, weil der Staat versagt, und sie sind der größte Arbeitgeber. Tausende haben Jobs als Hehler, Kuriere, Späher, Dealer, Prostituierte, Türsteher, Leibwächter, Geldeintreiber, Schankwirte, Soldaten. Selbst Polizisten stehen auf der Lohnliste der Gangs, mindestens einer in jeder Wache, heißt es.
Kishor Harri, der Polizeichef von Manenberg, will dazu nichts sagen. Aber er räumt ein, dass die Gangster längst die Township regieren und sich sogar staatliche Autorität anmaßen. »Wird ein Kind vergewaltigt, gehen die Eltern zum Gangleader. Der spricht das Urteil und führt es aus.« Umgekehrt hat eine Truppe wie die Americans keinerlei Probleme, wenn die Strafverfolgungsorgane wieder einmal eine Razzia durchführen. Im Ghetto stehen tausend Haustüren offen. Die Münder aber bleiben verschlossen. Gerade jene, die am meisten von den Banditen terrorisiert und ausgebeutet werden, sind ihre treuesten Helfer.
Die Männer in Skimasken kamen kurz nach ein Uhr nachts und feuerten durch das Fenster auf der Straßenseite. »Sie ermordeten meinen Sohn im Schlaf«, erzählt Mariam Hendricks. »Hier steht sein Stockbett, hier haben sie reingeschossen.« Sie deutet auf das Fenster und dann auf die fünf Einschusskerben in der Betondecke. Ahmad Hendricks wurde in Kopf und Rücken getroffen. »Er starb an meiner Brust«, schluchzt die Mutter.
Mariam Hendricks ist eine kleine klagende Gestalt, ihr Gesicht ist gramzerfurcht, beide Schneidezähne fehlen. Sie trägt das schwarze Kopftuch einer gläubigen Muslimin. Dieses Jahr wird sie 50, aber auch sie ist wie die meisten Frauen in den Slums in Zeitraffer gealtert. Sie teilt mit ihrem Mann, vier Kindern und zwei Enkeln drei enge Zimmer und versucht, die Armut hinter einer kleinbürgerlichen Fassade zu verstecken: Schrankwand aus Eichenfurnier, Häkeldeckchen, Nippes aus Porzellan, goldene Deko-Eier. Seit der Mordnacht am 17. Juli 1998 hat Mariam Hendricks nicht mehr aufgehört zu trauern. »Er war mein Geldverdiener«, ruft sie immer wieder, »mein Geldverdiener!«
Ahmad war ein grandioser Fußballer. Einer, der sich vielleicht aus dem Ghetto herausgedribbelt hätte, wie das Idol Benny McCarthy, der heute beim FC Porto spielt. Den Sprung in die südafrikanischen Jugendnationalelf hatte das 17-jährige Talent schon geschafft. Mit dem Sohn starb die Zukunft der Familie. Er wurde umgebracht, weil sein Vater nicht zahlen wollte. Ibrahim Hendricks hatte in Lotus Rivier einen Obststand aufgemacht, Orangen, Zwiebeln, Tomaten, nichts Großes. Die Americans forderten Gewinnanteile, Ibrahim weigerte sich. Er sitzt auf einer Kiste vor dem Häuschen, die Schuhe frisch geputzt, Bügelfalte in der erbsengrünen Hose, ein fleißiger, rechtschaffener Farbiger aus den Cape Flats. Die Straße ist grau vom Staub, das bunte Obst wirkt unecht wie in einem Stillleben. »Die Gangs haben noch nie Schutzgeld verlangt!«, presst Hendricks hervor. Er hat zu diesem Thema nichts mehr zu sagen. Er ist ein gebrochener Mann. Ibrahim weiß genau, wer seinen Sohn umgebracht hat. Ganz Lotus Rivier weiß es, weil die Americans damit prahlen. »Aber wir sprechen nicht darüber«, sagt Ibrahims Frau Mariam und lehnt im Türrahmen, die Hände in die Schürze gekrallt. »Wenn du das tust, jagen sie dich, bis sie dich haben.«
Wer zu viel erzählt, wird nicht alt. Ein Mord vor der eigenen Haustür? Nichts gesehen, nichts gehört. Augenzeugen können sich vor Gericht nicht mehr erinnern. Andernfalls könnte es ihnen ergehen wie der jungen Frau, deren Aussage Moeneeb Arendse ins Gefängnis brachte. »Jeden Tag habe ich mir vorgestellt, wie ich das Mädchen, das mich verpfiffen hat, töte«, sagt er.
Arendse ist 35, ein zwergenhafter Mann mit zerknittertem Gesicht. Er arbeitet als Bestatter und Wachmann. Sein Chef, der für seinen Sicherheitsdienst gern Exgangster anheuert, macht uns mit ihm bekannt. Er habe viereinhalb Jahre im Knast gesessen, berichtet Arendse, wegen eines Raubüberfalles. Schon am Abend des Entlassungstages fand er die Adresse der Zeugin heraus. Er ging hin, lauerte ihr auf und musste wieder abziehen; der Freund war bei ihr. »Am nächsten Tag erwischte ich sie dann allein. Ich hab sie abgestochen.« Arendse erzählt das ganz ungerührt, sachlich, wie ein Metzger, der ein Schwein geschlachtet hat. Niemand wollte gegen ihn aussagen, er läuft frei herum.
Vaughan Vester holt uns mit seinem aufgemotzten Toyota-Sportwagen vor dem Supermarkt Score in Wesbank ab. Trainingsanzug von Nike, am Hals schwere Goldketten, Dollarzeichen auf dem riesigen Siegelring, die Maurerarme bedeckt mit blauschwarzen Tattoos, der Schädel kahl rasiert. Auf einer Goldschiene am Oberkiefer kleben Splitter seiner ausgeschlagenen Schneidezähne. Vester ist einer der Bandenchefs der Americans.
In seinem Wohnzimmer steht ein zerschlissenes Sofa, es riecht nach Moder, im Fenster ist ein rundes Loch, wie von einer Kugel – nicht gerade das, was man sich unter dem Heim eines Paten vorstellt. Gangleader? Americans? Alles Vergangenheit. Er handle mit Fisch und Gemüse, sagt Vaughan. Der Leibwächter fügt emsig hinzu, sein Boss sei ein ehrbarer Familienvater, der jeden Sonntag in die Kirche gehe und überhaupt viel Gutes tue, vor allem für die Jugend. »So viele unschuldige Kinder werden von den Gangs getötet. Ich habe auch Kinder und denke an die trauernden Eltern«, schwadroniert Vaughan. Er schneidet lilarote Würstchen in Scheiben und erhitzt sie in der Mikrowelle. »Wenn jemand im Score stiehlt, kommen die Leute zu mir. Ich nehme mir den Jungen dann zur Brust.« Ob er einen Traum habe? »Ja. Ich träume von einer friedlichen Wesbank.«
Wenn Cynthia Claasen den Namen Vaughan Vester hört, fängt sie wie auf Knopfdruck an zu schimpfen. »Er terrorisiert unsere Gemeinde! Er macht unsere Kinder drogensüchtig! Er schickt unsere Töchter auf den Strich! Er kauft unser ganzes Viertel, fünfzig Häuser gehören ihm schon.« Die forsche Frau hat ein lebensgefährliches Ehrenamt. Sie sitzt im Community Police Forum, im Bürgerkomitee, das mit der Unverzagtheit von Sisyphus gegen die Anarchie und Rechtlosigkeit ankämpft. »Es wäre nicht gut für mich, mit Ihnen gesehen zu werden«, sagt sie, als wir uns an einer schmuddeligen Imbissbude treffen. Ihr Team ermittelt gegen die Gangster, weil die Polizei nichts tut.
Im Gefängnis von Pollsmore erhalten die Jungs den letzten Schliff
Nachfrage bei der zuständigen Polizeistation. Lynette Barnes, die Revierleiterin, zückt die Akte V. Vester und liest vor: V. V., geboren 1969, seit drei Jahren in Wesbank aktiv. Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Zuhälterei. Das Übliche. Ein dünnes Dossier, höchstens fünf Seiten. Man hat nicht den Eindruck, dass gegen Vaughan besonders eifrig ermittelt wird.
Um die Grausamkeit der Gangster zu verstehen, muss man ihre »Universität« besuchen. Das Hauptgebäude ist fensterlos. Die »Studenten« tragen grellorangefarbene Anzüge. Wir befinden uns im Sektor D 2 des Maximum Security Prison von Pollsmore. Es ist eines der Hochsicherheitsgefängnisse, die man in der Gangsterwelt universities nennt, weil schwere Jungs hier ihre »höhere« Ausbildung erhalten.
Zur Einstimmung blättert Chefinspektor Alfred Fritz im Boek G 302, in der Kladde der Gefängnisleitung. Man sieht Fotos von furchtbar zugerichteten Leichen – Häftlinge, die von anderen Häftlingen umgebracht wurden. Bei ihrem Anblick erscheint auch die zweite Geschichte glaubwürdig, die Moeneeb Arendse, der geläuterte Wachmann, ganz beiläufig erzählt hat. Er beschrieb, wie er in seiner Knastzeit eines nachts zwei Männer abgestochen hat, im Dunkeln, blitzschnell, direkt hintereinander. Es waren ja nur 26er. Arendse hat gemordet, um ein 28er zu werden, ein ndota, das Mitglied einer Nummerngang. Für seine Bluttat erhielt er das begehrte Tattoo, Sonaf, den Sonnenuntergang. Dieses Kastenzeichen macht das Leben im Zuchthaus einfacher, und draußen, im Ghetto, verschafft es gewaltigen Respekt.
Die »Nummern« beziehen sich auf die Ordnungszahl der jeweiligen Gefängnisbande: 26er, 27er, 28er. Es handelt sich wie bei den Gangs in den Townships um Bruderschaften mit eigenen Gesetzen, Hierarchien, Zeichensystemen, Ritualen, die im ungeschriebenen »Buch des Wissens« verankert sind. Die Rangordnung ist wie bei der britischen Armee: einfacher Soldat, Sergeant, Captain, Major bis hinauf zum General. Bricht einer den Kodex der »Nummer«, wird er brutal bestraft. Zum Beispiel durch Vergewaltigung, ausgeführt von einem HIV-positiven Insassen. Slow puncture nennt man das, langsames Luftablassen.
Piela wurde nach elf Jahren Knast draußen wie ein Held empfangen
»Hosh.« In Zelle 214 begrüßt uns ein untersetzter, drahtiger Bursche im Slang der Gangster. Ein hoher Offizier, das sieht man schon am lässigen Gang und an den blitzblank geputzten takkies. »Du kannst hier nur überleben, wenn du zu einer Nummer gehörst. Sonst bist du ein Frans.« Frans? »Ein Franzose, wie der Typ dort hinten.« Er deutet auf einen Jungen, der mit gesenktem Blick auf dem Stockbett in der Ecke sitzt. Man sieht dem armen Teufel an, dass er ein rechtloser Sklave ist. Die Nummernbanden herrschen in den überfüllten Gefängnissen der Kap-Provinz, und ihre Bosse koordinieren von hier aus in aller Ruhe die krummen Geschäfte draußen.
Die Häftlinge, die sich unterdessen in der Zelle 214 versammelt haben, ein Dutzend Jungs aus Manenberg, sitzen fast ausnahmslos wegen mehrfachen Mordes. »Wenn die Feinde einen von uns umlegen, legen wir zwei von denen um. Dann vier. Dann acht.« So prahlt ein 28er. Er war der Leibwächter von Rashaad Staggie – auf den Obergangster aus Manenberg sind die Jungs genau so stolz wie auf die Tatsache, dass ein gewisser Nelson Mandela in Pollsmore eingekerkert war.
Habt ihr auch schon mal unschuldige Kinder erschossen? Ja, murmeln einige, damals bei der Schlacht an der Red-River-Schule. Die anderen unterhalten sich, damit die merkwürdigen Besucher nichts mehr verstehen, in der Gangstersprache Fanakalo, einer Mischung aus isiZulu, seSotho, Afrikaans, Englisch und anderen Idiomen. Was habt ihr dabei empfunden? »Nichts, gar nichts. Oder was meinst du mit ›empfinden‹?«
Zurück an der Nyanga Junction in Manenberg. » Was kannst du schon tun? Du kommst raus, und alles ist wie immer.« Piela wurde gestern entlassen. Er saß elf Jahre in Pollsmore wegen Mordes. Die Clever Kids haben ihn wie einen Helden empfangen. Es ist alles wie immer in Manenberg. Der Krieg, glaubt Piela, wird weitergehen, immer weiter und weiter. Er macht das pistolenartige Fingerzeichen der 28er. »Oder habt ihr eine andere Lösung?«
- Datum
- Quelle (c) DIE ZEIT 22.07.2004 Nr.31
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