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Und nun das Urteil

Im Mannesmann-Prozess gibt es keine Gewinner, nur Verlierer

An diesem Donnerstag fällt die Entscheidung im Mannesmann-Prozess, und nach allem, was die Richterin hat durchblicken lassen, wäre ein anderes Urteil als Freispruch eine faustdicke Überraschung. Doch am Ende des spektakulärsten deutschen Wirtschaftsverfahrens kommt es gar nicht so sehr auf den Richterspruch an. Dieser Prozess kennt keine Gewinner, nur Verlierer. So oder so.

Die entscheidende Frage war mit Paragrafen allein nicht zu klären: Sind die insgesamt 111 Millionen Mark an Abfindungen und Prämien im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone im Februar 2000 nun zu Recht geflossen oder nicht? Die Staatsanwälte versuchten es trotzdem – und verblüfften durch schwache Fragen und ihre offenkundig fehlende Strategie. Auch die Richterin bot keine Glanzleistung: Schon nach der Hälfte des Verfahrens, nach einem Rechtsgespräch mit Verteidigern und Staatsanwälten, offenbarte sie ihren Unwillen, den Prozess weiterzuführen – und tat es dennoch. Hätte sie das Verfahren doch beendet. So verkam es zur Farce.

Und die Angeklagten? Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser wird mit dem Vorwurf leben müssen,fast 60 Millionen Mark dafür kassiert zu haben, dass er in einer gigantischen Abwehrschlacht Millionen von Mark ausgab. Ex-IG-Metall-Boss Klaus Zwickel hat gezeigt, wie es um die Mitbestimmung in Aufsichtsräten steht: Wozu braucht man Gewerkschafter im Gremium, wenn sie aus Angst vor der Basis lügen? Und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann? Von seinem Bonmot, wonach nur in Deutschland Werte schaffende Manager vor Gericht gestellt würden, hat er sich nie distanziert – auch nicht, nachdem Vodafone die Mannesmann-Beteiligung abschrieb und damit bewies, dass keine Werte geschaffen wurden, sondern heiße Luft.

Dieses Land braucht mehr, als ein Gericht bewirken kann: Manager, die Maß halten. Kritische Aufsichtsräte. Unabhängige Aktionäre. In Sachen Corporate Governance ist Deutschland ein Entwicklungsland.

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  • Von Marc Brost
  • Datum
  • Quelle (c) DIE ZEIT 22.07.2004 Nr.31
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  • Schlagworte | | | Kriminalität | Wirtschaftskriminalität | Fusion
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