Zweiter Weltkrieg Die Stunde "W"

Von den westlichen Alliierten im Stich gelassen, von Stalin verraten, kämpften die polnischen Aufständischen vor 60 Jahren in Warschau einen aussichtslosen Kampf. Die Rache der Deutschen war schrecklich

Dieser Aufstand war außerhalb Polens viele Jahre lang nahezu vergessen. Noch 1994 verwechselte ihn der damalige Bundespräsident Roman Herzog in einem Interview vor seinem Staatsbesuch in Polen mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto 1943. Es ist ein Kapitel des Zweiten Weltkriegs, das oft verdrängt wurde – in Westeuropa und den USA, weil die westlichen Alliierten ihren Bündnispartner, dessentwegen sie am 3.September 1939 Deutschland den Krieg erklärt hatten, letztendlich im Stich ließen. Im Osten, weil zur Zeit des Warschauer Aufstands Stalin noch einmal de facto seine Komplizenschaft mit Hitler erneuerte: Hatte sich im Sommer 1939 Hitler – mit dem Ribbentrop-Molotow-Pakt – des sowjetischen Diktators bedient, um seinen Eroberungskrieg im Osten zu eröffnen, so tat dies nun indirekt Stalin, um das politische Zentrum eines unabhängigen Polens zu zerschlagen und sich damit den Zugriff auf Mitteleuropa zu sichern.

Die Niederlage Polens im September 1939 und die erneute Teilung des Landes zwischen Nazideutschland und Sowjetrussland bedeutete keineswegs ein Ende seiner Staatlichkeit. Polen war nach wie vor Mitglied der Anti-Hitler-Koalition. Die polnische Exilregierung unter General W¬adys¬aw Sikorski – zuerst in Paris, dann in London ansässig – vertrat seine Belange. Und Tausende polnischer Soldaten kämpften dann auch bereits 1940: als Infanteristen bei Narvik und in Frankreich, als Jagdflieger im »Battle of Britain«, bei der Kriegsmarine in der Nordsee und auf dem Atlantik.

Der polnische Untergrundstaat organisiert sich

Verzweifelt mussten sie aus der Ferne miterleben, wie ihre Heimat ausgelöscht werden sollte. Die politische und kulturelle Elite wurde ermordet. Aus den ins Reich »eingegliederten« Gebieten vertrieben die Deutschen die Polen in das so genannte Generalgouvernement, wo fast der gesamte Schul- und Kulturbetrieb verboten war; Kirchen, Schlösser und Museen wurden geplündert. Im sowjetisch besetzten Ostpolen ging es nicht besser zu. Zwar gab es einige Inseln kultureller Autonomie, sie unterlagen aber einer strikten Sowjetisierung. Auch hier wurden Menschen verschleppt – an die 700000 kamen nach Kasachstan oder in den Gulag. Die meisten kriegsgefangenen Offiziere wurden bereits im April 1940 in Katyn und anderen Lagern ermordet.

Trotz des deutschen Terrors entstand im Generalgouvernement ein recht funktionsfähiger Untergrundstaat. Der Delegatur der Londoner Exilregierung stand eine Vertretung der meisten polnischen Vorkriegsparteien zur Seite. Der Untergrund verfügte über ein Rechtswesen, über Schul- und Hochschulkurse, aber auch über militärische Verbände, die sich später – mit wenigen Ausnahmen – zur Heimatarmee, der Armia Krajowa (AK) mit über 300000 Mitgliedern zusammenschlossen. Das Ziel dieses Untergrundstaates war erst einmal, die Substanz zu retten für den Fall, dass sich die Machtkonstellation in Europa veränderte.

Sie veränderte sich 1941 mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Stalin, Hitlers Komplize von 1939, wurde zum »Verbündeten der Verbündeten«. In einem in London unterzeichneten polnisch-sowjetischen Vertrag wurde der Hitler-Stalin-Pakt für ungültig erklärt und die Formierung einer polnischen Armee in der Sowjetunion unter General W¬adys¬aw Anders verabredet. (Dennoch behauptete Moskau später, der »Anschluss« der »West-Ukraine« und »West-Weißrusslands« an die Sowjetunion 1939 sei das »Ergebnis des frei ausgedrückten Willens der Bevölkerung« gewesen.)

Nach dem Sieg von Stalingrad 1943 wurde Moskaus Diktator zum entscheidenden Partner in der Anti-Hitler-Koalition – und Polen, einst der »Erste Verbündete« der Alliierten (wie der britische Historiker Norman Davies es nennt), zu einem eher lästigen Klienten. Der sowjetische Ton gegen die Exilregierung fiel nun schärfer aus. Im Frühjahr 1943 ließ Stalin in Absprache mit Englands Premier Winston Churchill die Anders-Armee in den Iran abziehen. 1944 kämpfte sie in Italien; es waren polnische Soldaten, die den Monte Cassino erstürmten.

Als die Deutschen im April 1943 die Massengräber in Katyn entdeckten und die polnische Regierung eine Untersuchung durch das Rote Kreuz forderte, brach Stalin die diplomatischen Beziehungen zu ihr ab und ließ eine kommunistisch geführte polnische Division unter General Zygmunt Berling formieren. Nachdem der im Westen angesehene Sikorski im Juli 1943 bei einem (bis heute ungeklärten) Flugzeugabsturz nahe Gibraltar ums Leben gekommen war, hatte Stalin leichtes Spiel. Auf der Teheraner Konferenz Ende November 1943 ließ er sich von US-Präsident Franklin D. Roosevelt und Churchill seinen Kampfeswillen bis zur bedingungslosen Kapitulation des Hitler-Reichs mit einer »Westverschiebung« Polens bezahlen.

Das aber wussten die polnischen Politiker in London nicht. Zwar drängte Churchill Sikorskis Nachfolger Stanis¬aw Miko¬ajczyk, sich mit Stalin zu arrangieren, um zu retten, was noch zu retten war. Doch über die genauen Absprachen mit Stalin schwieg Churchill sich aus.

Anfang 1944 überschritt die Rote Armee die alte Vorkriegsgrenze. In den polnischen Ostgebieten war der Untergrundstaat schwächer als in Zentralpolen, aber doch präsent. In Städten wie Wilna oder Lemberg griff die AK die zurückweichenden deutschen Truppen an, um dann »als Hausherr« die Sowjets zu begrüßen. Das blieb sie nur nicht lange. Von sowjetischen Kommandeuren zu Gesprächen über die künftige Zusammenarbeit eingeladen, landeten die polnischen Offiziere im Gulag, während die einfachen Soldaten in die polnisch-kommunistische Berling-Armee gepresst wurden. Am 22. Juli 1944 installierte Stalin bei Lublin »seine« polnische Proto-Regierung. Die Machtfrage für Nachkriegspolen war mit aller Rücksichtslosigkeit gestellt, und zwar in London, Moskau und Warschau gleichzeitig.

Noch heute lesen sich die Berichte über die Diskussionen der polnischen Führung in den Wochen vor dem Aufstand wie ein Krimi. Die Politiker drängten, die Militärs waren skeptisch. Ohne Unterstützung der Alliierten habe ein Aufstand keine Chancen, befand der Oberbefehlshaber der polnischen Truppen General Kazimierz Sosnkowski. Und er traute den Briten und Amerikanern nicht mehr zu, dass sie auf Stalin genug Druck ausüben würden, um den Aufstand militärisch und die legale polnische Regierung politisch zu stützen. Optimistischer war Ministerpräsident Miko¬ajczyk. Er klammerte sich daran, dass Churchill und Roosevelt ihm vage beteuerten, Polen werde »unbeschädigt aus diesem Krieg hervorgehen«, und flog in den letzten Julitagen zu Verhandlungen nach Moskau. Doch Stalin ließ ihn erst einmal warten.

Die Entscheidung zum Aufstand musste letztlich in Warschau selbst fallen. Miko¬ajczyk war in Moskau, Sosnkowski bei den polnischen Truppen in Italien. AK-Oberbefehlshaber General Tadeusz Komorowski (»Bór«) befürchtete, dass ein Aufstand ohne Rückendeckung scheitern würde. Andere warfen politische Argumente in die Waagschale: Nur ein wirkungsvoller Schlag gegen die Deutschen könne Miko¬ajczyks Position in Moskau stärken.

Es war die alte polnische Schicksalsfrage seit dem 19. Jahrhundert: »Sich schlagen oder sich nicht schlagen«. Für einen Aufstand sprach die Lage an der Ostfront: Nach der Sommeroffensive der Roten Armee wich die Wehrmacht fast fluchtartig zurück. Doch der chaotische Moment dauerte nicht lange. Hitlers Gouverneur in Warschau forderte 100000 Polen zum Ausheben von Gräben an. Kaum jemand kam. Die AK befürchtete Repressalien, und am 28.Juli versetzte Warschaus AK-Chef Oberst Antoni Chru™ciel die Heimatarmee in Alarmbereitschaft.

Die Deutschen hatten seit längerem mit einem polnischen Ausbruch gerechnet. Demonstrativ ließen sie frische Truppen durch die Stadt ostwärts marschieren. Am 29. wurde gemeldet, die Rote Armee sei im Anmarsch. Radio Moskau forderte die Warschauer auf, sich dem Kampf gegen die Deutschen anzuschließen. Zur selben Zeit befanden sich rund 80 Prozent der AK-Soldaten bereits an ihren konspirativen Sammelpunkten. Eine Entscheidung war noch immer nicht gefallen.

Am 30. Juli stand die 1. Weißrussische Front unter Marschall Konstantin Rokossowski tatsächlich nur noch etwa 20 Kilometer von Warschau entfernt. Die Sowjets litten nach ihrem raschen Vorstoß an Nachschubproblemen, und am 31. Juli trafen sie auf starke deutsche Gegenwehr. Das aber wusste die AK-Führung nicht. Dennoch sprach sie sich mit 4:3 Stimmen gegen den Aufstand aus.

Dann jedoch, am Nachmittag, traf Chru™ciel mit der Nachricht ein, die ersten sowjetischen Panzer seien in Praga gesichtet worden, dem Stadtteil auf der östlichen Weichselseite. Daraufhin ließ Komorowski für den nächsten Tag um 17 Uhr die »Stunde ›W‹« ausrufen. Man hoffte, drei, vier Tage lang angreifen und sich mit Hilfe erbeuteter Waffen und alliierter oder sowjetischer Versorgungsabwürfe zwei Wochen lang halten zu können.

In kürzester Zeit metzeln die deutschen Soldaten 40 000 Menschen nieder

Der Überraschungseffekt misslang. Schon vor der »Stunde ›W‹« kam es zu einigen zufälligen Zusammenstößen, die deutsche Garnison wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Um 17 Uhr griffen etwa 20000 Aufständische (ihre Zahl sollte sich später auf rund 45 000 erhöhen) eine gut gerüstete deutsche Truppe von 13000 bis 20000 Mann in befestigten Stellungen an. Es gelang zwar unter großen Verlusten, etwa die Hälfte der Stadt westlich der Weichsel zu befreien, nicht aber als zusammenhängendes Gebiet. Einzelne Gruppen erzielten beachtliche Erfolge, doch die Deutschen hielten weiterhin Brücken, Bahnhöfe, Flugplätze und das Weichselufer. In Praga, ausgerechnet dort, wo man die sowjetischen Panzerspitzen erwartete, musste man den Kampf wegen der geringen Mittel und der deutschen Übermacht bald aufgeben. Bereits am zweiten Tag des Aufstandes wurde klar, dass die Ziele nicht erreicht worden waren und ohne Hilfe von außen nicht erreicht werden konnten.

Die Warschauer reagierten zunächst mit Begeisterung, bauten Barrikaden, schlugen Durchgänge durch Keller, zeigten deutsche Positionen an und bekochten die Kämpfenden. Junge Pfadfinderinnen, die unter großen Verlusten die militärische Verbindung zwischen einzelnen »Freiheitsinseln« aufrechterhielten, haben seitdem ebenso ihren Sitz im polnischen Pantheon wie die Zivilisten, die im Stadtteil Wola von den Deutschen als menschliche Schutzschilde vor den Panzern gegen die Barrikaden der Aufständischen hergetrieben wurden.

Hitler tobte, als er vom Aufstand hörte, und befahl, die Stadt schleifen zu lassen. Heinrich Himmler präzisierte: Alle Aufständischen seien zu erschießen, die Zivilbevölkerung ohne Unterschied »niederzumachen«. Verstärkungstruppen unter Befehl des SS-Gruppenführers Heinz Reinefarth (er war nach dem Krieg Bürgermeister von Westerland auf Sylt), darunter auch einige »fremdvölkische« Einheiten, und vor allem die berüchtigte, bereits beim Holocaust »bewährte« SS-Brigade des promovierten Politologen Oskar Dirlewanger wüteten ungehemmt. Sie plünderten, vergewaltigten, mordeten und schonten niemanden – nicht einmal Ärzte, Schwestern, Patienten oder Säuglinge. Ganze Häuserblocks mitsamt ihren Bewohnern wurden gesprengt, Verletzte bei lebendigem Leibe verbrannt. In wenigen Tagen fielen mehr als 40000 Zivilisten dem Gemetzel zum Opfer.

Da es den Aufständischen nicht gelang, die Hauptstadt allein zu befreien, stellte sich schon bald die Frage, wer, wie und womit helfen sollte. Die Sowjets waren zwar nah, aber der Aufstand richtete sich ja politisch gegen ihr Ansinnen, nicht nur die Beute aus der Komplizenschaft mit Hitler zu behalten, sondern das ganze Land zu beherrschen. Am 3.August wurde Miko¬ajczyk in Moskau schließlich von Stalin empfangen, der den Aufstand bagatellisierte, aber vage Hilfszusagen machte. Eine Woche später dann versprach er, jede erdenkliche Unterstützung zu leisten. Doch es passierte nichts.

Roosevelt und Churchill waren im Zugzwang. Trotz hoher Risiken und ohne Jägerschutz starteten am 4. August von Brindisi in Italien aus erstmals schwere britische und polnische Bomber mit Ausrüstungsgut. Die Verluste waren hoch, und nur ein Teil des Materials, per Fallschirm abgeworfen, gelangte zu den Aufständischen. Insgesamt gingen im August von 170 Flugzeugen 29 verloren.

An der Weichselfront indes rührte sich nichts. Auf Drängen der Polen begannen Briten und Amerikaner, Druck auf Stalin auszuüben. Dieser ließ jetzt die Katze aus dem Sack. Er schimpfte die Londoner Polen eine »Verbrecherbande«. Dem US-Botschafter wurde am 18. August erklärt, die Sowjetregierung verwahre sich gegen eine Landung alliierter Flugzeuge auf ihrem Territorium, da sie nichts mit dem »Warschauer Abenteuer« zu tun haben wolle. Und am 22. wurde Stalins Terrortruppe NKWD angehalten, alle Aufständischen, die ihr in die Hände fielen, festzunehmen und zu entwaffnen.

Währenddessen schrumpfte in Warschau das Gebiet, das von den Aufständischen gehalten wurde. Zuerst fiel Wola, dann konzentrierten sich die Deutschen auf die Altstadt. Sie wurde von Mörsern beschossen, aus der Luft bombardiert und von Panzern belagert. Das Leben der eingeschlossenen Menschen – eindringlich geschildert von Miron Bia¬oszewski in seinem Buch Nur das was war (1994) – hatte sich längst in die Keller verlagert. Nahrungsmittel gingen aus, Brunnen wurden gebohrt. Am 1.September fiel die Altstadt. Soldaten und transportfähige Verwundete mit ihren Begleitern konnten durch die Kanäle evakuiert werden. Die Schwerverletzten und Zivilisten blieben zurück; Erstere wurden von den Deutschen sofort erschossen, Letztere in KZs deportiert.

Im September erlitten nach und nach andere Viertel ein ähnliches Schicksal. Die Agonie der Stadt zog sich hin und parallel zu ihr Stalins Spiegelfechterei. Die sowjetische Armee – und mit ihr die polnische Berling-Armee – besetzte am 13.September Praga, Flugzeuge warfen Versorgungsgüter ab, die Artillerie eröffnete das Feuer auf deutsche Stellungen, die AK konnte sogar Funkkontakt zu Marschall Rokossowski herstellen. Am 15. gab Berling den Befehl zur Weichselüberquerung. Es gelang, zwei Brückenköpfe zu errichten, die man aber nach einigen Tagen wieder aufgeben musste; 5500 Soldaten starben. Am 18. erschien plötzlich über Warschau eine Flotte von 110 amerikanischen Bombern, die doch noch (und nur dieses eine Mal) eine Landeerlaubnis in der Ukraine erhalten hatten, aber nur 20 Prozent der Versorgungsabwürfe erreichten ihr Ziel. Eine sowjetische Großoffensive blieb weiter aus.

Der Aufstand wird zur Zäsur der polnischen Geschichte

Zwei Wochen später, nach 63 Tagen einsamen Kampfes, unterzeichnete Bór-Komorowski am 2.Oktober die Kapitulation, nachdem der – ebenfalls schon beim Judenmord »bewährte« – deutsche Oberbefehlshaber Erich von dem Bach-Zelewski zugesichert hatte, dass die Aufständischen gemäß der Genfer Konvention als Kombattanten behandelt würden. In geschlossenen Reihen verließen etwa 15000 Soldaten die Stadt, gefolgt von der Zivilbevölkerung. Die Bilanz war grausig: 200000 Tote; 18000 AK-Angehörige gerieten in Kriegsgefangenschaft, von der überlebenden Zivilbevölkerung (bis zu 500000 Menschen) wurden – entgegen den Kapitulationsvereinbarungen – 150000 in KZs und zur Zwangsarbeit verschleppt.

Es folgte die systematische Plünderung, anschließend die Zerstörung der Stadt durch Brand- und Sprengkommandos. Nach dem Aufstand hatte Warschau schon zu 50 Prozent in Trümmern gelegen, jetzt wurden weitere 35 Prozent vernichtet. Von 987 Baudenkmälern blieben nur 64 unversehrt, Archive und Bibliotheken verbrannten. Am 17. Januar 1945 »befreite« die Rote Armee eine Trümmerwüste. »Polen«, schreibt der Historiker W¬odzimierz Borodziej 2001 in seiner eindrucksvollen Darstellung Der Warschauer Aufstand 1944, »hatte eine ganze Generation verloren, und die Hauptstadt dazu.«

Der Aufstand blieb auch nach dem Krieg heftig umstritten. Mancher Historiker vertrat die Ansicht, die Katastrophe habe Stalin die Sowjetisierung Polens erleichtert, weil sie die Machtlosigkeit des »Londoner Lagers« und die Vergeblichkeit jeglicher Hoffnungen auf den Westen brutal vor Augen führte. Die AK wurde von der kommunistischen Propaganda verhöhnt, zum Teil in den Untergrund gedrängt und militärisch als »Bande« bekämpft; im Juni 1945 verurteilten Stalins Richter 16 ihrer Führer zu langjährigen Haftstrafen. Erst nach dem Tod des Diktators durfte der Patriotismus der AK-Soldaten gewürdigt werden, wenn auch bei gleichzeitiger Verdammung ihrer »unverantwortlichen Führung«.

Für die Polen bildete der Aufstand eine Zäsur, den Schlusspunkt einer aufständischen Tradition. Denn ihr späteres Aufbegehren gegen die sowjetische Bevormundung und für die Freiheit in ihrem Land, vom »polnischen Oktober« 1956 bis hin zur Solidarno™ƒ, entsprang zwar derselben Tradition, blieb aber gewaltlos. Und damit sollten sie die Ziele des Warschauer Aufstands 45 Jahre später endlich erreichen.

Die Autorin ist Historikerin und Journalistin und lebt in Köln

 
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