Architektur Monumentaler NippesSeite 3/3

Ebenso zweifellos würden ihm die rigiden Verfechter einer ästhetischen Unwiederbringlichkeit des Originals, Gralshüter wie Ruskin oder Dehio, die Anerkennung verweigern. Aber darum ging und geht es schon lange nicht mehr in der deutschen Ruinenlandschaft nach 1945. Es ging und geht vielmehr immer wieder um dasselbe: um die Verbindung zwischen Erinnerung an Schuld und Untergang und zugleich Offenhaltung der Zukunft.

Das Dilemma der Frauenkirche war und bleibt, dass sie in Erinnerung an das »Alte Dresden« und im Namen der damit bewiesenen Standhaftigkeit gegenüber dem SED-Regime wieder hergestellt wurde, als Ruine jedoch längst zum Symbol eines ganz anderen Widerstands geworden war. Dessen Gedächtnis bezog sich zwar auf Krieg und Zerstörung. Es ließ aber offen, ob es dabei um deutsche Schuldhaftung (es gab keine »unschuldige Stadt«), Selbststilisierung als »Opfer« alliierten Bombenterrors oder irgendwie um beides ging.

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So stolperten die Befürworter des Wiederaufbaus in ein doppeltes Dilemma: An sich hatte sich ihr Programm allein auf den Akt des Aufbaus bezogen und damit erschöpft. Der Anschluss an die unklare Ruinen- und Mahnmal-Symbolik, den das Motto »Versöhnung« leisten sollte, wird am Bau selbst an keiner Stelle sichtbar und bleibt affirmative Rhetorik. Am Ende kann sich so jeder mit jedem versöhnen. Nachholend Coventry mit Dresden oder der Deutsche mit sich selbst als Täter und Opfer zugleich.

Am deutlichsten wäre noch die Versöhnung zweier antagonistischer Formen des Widerstands gegen das SED-Regime – der konservativen Alt-Dresdener und der Friedensbewegung. Beiden diente, wenn auch völlig unterschiedlich, die zerstörte Kirche als Symbol. Vielleicht aber genügt der Wiederaufbau tatsächlich sich selbst: als Zeichen dafür, dass Dresden nicht untergegangen ist; weder in der Katastrophe des Februars 1945 noch in der urbanen Marodierung durch das SED-Regime. Dann hätte der zweite Körper der Frauenkirche endgültig seine Schuldigkeit getan.

Und übrig bliebe Nippes. Wie all jene ein wenig monströsen Figuren und Figurinen aus Meissener Porzellan, die einst ein königliches Arkanum aus Potenz, Langlebigkeit und Charisma hüteten, nun aber zum Zierrat spätbürgerlicher Selbstzufriedenheit abgesunken sind.

 
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