Warnemünde, 13 Grad, Regen – keine optimalen Bedingungen für einen Strandurlaub an der Ostsee. Also gar nicht erst losfahren? Wer sein Hotelzimmer oder Ferienhaus jedoch schon vor ein paar Wochen bestellt hat, sollte sich gründlich überlegen, ob er daheim bleibt. "Gebucht ist gebucht", sagt Jürgen Benad, Leiter der Rechtsabteilung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Und das bedeutet: Die Stornierung kostet Geld. Dabei ist es gleichgültig, aus welchem Grund abgesagt wird, ob wegen Krankheit, Unfall oder weil der Sturm das eigene Hausdach abgedeckt hat.

"Viele Urlauber sind sich anscheinend nicht darüber im Klaren", meint Jürgen Benad, "dass eine Hotelbuchung ein rechtlich bindender Vertrag ist und wundern sich, wenn sie nach ihrer Absage eine Stornorechnung im Briefkasten haben." Denn der Vertrag gilt, gleichgültig, ob das Zimmer telefonisch, per Fax oder E-Mail bestellt wurde. Auch eine frühzeitige Stornierung entlastet den Gast nicht. "Nur wenn der Hotelbesitzer das Zimmer in der gleichen Preiskategorie weitervermieten kann, darf er keine Stornogebühren verlangen." Nachweisen lässt sich dies jedoch in der Praxis kaum.

Ansonsten kann der Hotelier für eine stornierte Buchung laut Gesetz den vollen Zimmerpreis abzüglich der "ersparten Aufwendungen" von seinem Gast verlangen. Der Dehoga empfiehlt den Hotels, bei der Berechnung der Stornogebühren die "ersparten Aufwendungen" pauschal vom Zimmerpreis abzuziehen: Ein Gast, der nur Übernachtung mit Frühstück gebucht hat, muss dann 80 Prozent zahlen, 70 bei Halbpension. "Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Hotelgast vor Gericht geringere Zahlungen erwirken konnte", sagt Benad.

Manche Hotels räumen ihren Gästen jedoch großzügigere Stornierungsmöglichkeiten ein. "Aber das ist reine Kulanz", warnt Jürgen Benad, "wird nicht explizit darauf verwiesen, muss man von den gesetzlichen Regelungen ausgehen." Einige Best-Western-Hotels zum Beispiel gewähren ihren Gästen eine kostenfreie Stornierung sogar bis zum Anreisetag. Jedoch nicht immer: "Ähnlich wie bei Fluggesellschaften haben wir je nach Tarif, Buchungssituation und Saison unterschiedliche Regelungen", sagt Anke Cimbal, Sprecherin der Hotelkette. Gerade bei günstigen Frühbucherangeboten sei die kostenlose Stornierung meist ausgeschlossen. Zudem bestimmt bei Best Western wie auch bei vielen anderen Hotelketten meist jedes Haus seine Stornierungsbedingungen selbst. Der Gast muss also jedes Mal genau hinschauen, bevor er absagt.

Auch bei den Dorint-Hotels gilt zunächst einmal die gesetzliche Regelung; ohne Kosten stornieren kann der Gast nur, wenn ein "Termin zum Rücktritt vom Vertrag schriftlich vereinbart wurde", heißt es in den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Bei den Ring-Hotels, einem Verbund privat geführter Hotels, wird ebenfalls auf variable Stornofristen verwiesen: "Wenn ein Gast zum Beispiel während der Messe in Hannover nicht anreist, kann er sicher sein, dass er eine Stornorechnung bekommt", sagt Sprecherin Marita Haber.

Gerade Pensionen und kleinere Häuser, die von ihren Stammgästen leben, sind jedoch oftmals kulant. Meist muss die Absage vier Wochen vorher erfolgen, oft reicht aber auch eine Woche. "Wir bemühen uns in jedem Fall, das Zimmer wieder zu vergeben, denn mit Stornorechnungen ist häufig Ärger verbunden", heißt es zum Beispiel im Strandhotel Heringsdorf auf Usedom. Manchmal wissen vor allem Betreiber von Pensionen mit nur wenigen Zimmern jedoch gar nicht, dass sie Stornogebühren verlangen können: "Die kämpfen jetzt mit massenweisen Absagen", sagt Dehoga-Experte Benad.

Um einen eventuellen späteren Streit zu vermeiden, empfiehlt er bereits bei der Buchung eine persönliche Absprache zu treffen und sich diese schriftlich bestätigen zu lassen. "Häufig sind Hotels dazu bereit, im Einzelfall eine großzügige Stornofrist einzuräumen."