Drei Fragen im Stehen Autismus im Visier
Fritz Poustka
ist Psychiater an der Universität Frankfurt/M.
Sie wollen zusammen mit 170 Genetikern die erblichen Ursachen des Autismus ergründen. Warum dieser große Aufwand für eine vergleichsweise seltene Störung?
Die Erkrankung ist gar nicht so selten. Früher hat man eine Häufigkeit von vier bis fünf Kindern auf 10000 angenommen. Heute geht man davon aus, dass es zehnmal so viele sind. Das ist keine wundersame Vermehrung. Früher hat man einfach die Gescheiten übersehen, Menschen mit der von Asperger beschriebenen Autismusart. Bisher haben alle Autismusforscher eifersüchtig nebeneinanderher geforscht – und die genetischen Ursachen nicht gefunden. Die amerikanischen Organisatoren der neuen Initiative sind ein mächtiger Elternverband. Jetzt will man noch einmal alles zusammen auswerten, die Blutproben der Patienten frei zugänglich machen und sie noch einmal analysieren.
Sind Sie denn sicher, dass der Autismus vor allem genetische Wurzeln hat und nicht vielleicht doch durch äußere Einflüsse ausgelöst wird?
In Zwillingsstudien hat sich gezeigt, dass der Autismus zu 90 Prozent vererbt wird und zu 10 Prozent auch andere Einflüsse beteiligt sind. Geschwister von Autisten haben ein erhöhtes Risiko, auch erkrankt zu sein, beide eineiige Zwillingsgeschwister sind in 80 Prozent der Fälle betroffen. Obwohl man also weiß, dass die Gene eine große Rolle spielen, hat man zwar Genregionen am Chromosom gefunden, die Gene selbst bisher trotz großer Anstrengungen aber nicht.
Glauben Sie, dass es irgendwann einen vorgeburtlichen Test auf Autismus geben wird oder eine Pille dagegen?
- Datum 29.07.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 29.07.2004 Nr.32
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