Interview »Ich bin nicht außerirdisch«

Sie war »Die Frau nebenan« und verführte Jean-Louis Trintignant in »Auf Liebe und Tod«. Die Schauspielerin Fanny Ardant über François Truffaut, Familienterror, libertinäre Lebensstile und ihren neuen Film »Nathalie«

DIE ZEIT: Vor zwanzig Jahren spielten Sie und Gérard Depardieu in François Truffauts Film Die Frau nebenan zwei leidenschaftlich Liebende, die ihre bürgerliche Umgebung sprengen. Jetzt sind Sie wieder zusammen in Anne Fontaines Film Nathalie zu sehen. Als entfremdetes Ehepaar, das die Lust aufeinander verloren hat. Ist das der Lauf der Welt?

Fanny Ardant: Ja, auf den ersten Blick. Aber der Schein trügt. In Anne Fontaines Film entdeckt Laura, die Ehefrau, dass ihr Mann sie betrügt. Der bürgerlich-französische Umgang mit dieser Situation wäre, sich zu sagen: »Ich habe einen guten Ehemann, er ist nett zu mir. Was soll’s, den Sex holt er sich halt woanders.« Aber sie verweigert sich dem Arrangement. Sie kämpft sogar mit extremen Mitteln um ihren Mann. Indem sie eine Prostituierte engagiert, die mit ihm anbändelt. Und sie lässt sich von dieser Frau jedes pornografische Detail der erotischen Zusammenkünfte erzählen. Sie müssen zugeben, dass das alles andere als spießig ist.

Anzeige

ZEIT: Aber zeigt der Film nicht auch eine bürgerliche Mischung aus Entsagung und Kontrolle?

Ardant: Diese Frau wird nicht von Kontrollwahn getrieben, sondern von der eigenen Perversion. Von der Lust, den Sex des Mannes bis in die Details der Erektion erzählt zu bekommen. Der Lust, in geheime Sphären vorzudringen, zu denen man sonst niemals Zugang hätte. Sie stürzt sich in eine perverse Fantasie, und das bringt sie wieder zum Leben.

ZEIT: Zu Beginn von Nathalie sieht man Sie in einem Nachtclub, wo Sie die Prostituierte aussuchen, die Sie für Ihren Mann engagieren werden. Mit welchem Blick betrachten Sie da die anderen Frauen?

Ardant: Mit dem Blick meines Mannes. Ich suche für ihn Emanuelle Béart aus, die jünger, sanfter und blonder ist als ich. Ich jage und imitiere dabei das Beuteverhalten eines anderen.

ZEIT: Sie haben einmal gesagt: »Wenn ich ein Mann wäre, würde ich nur zu den Nutten gehen.«

Service