energie Kernenergie gehört ins TechnikmuseumSeite 3/3

Dieser Weg wird vor allem durch neue Energiespeichertechniken geöffnet, die vor ihrer Einführung stehen und die die vermeintliche Dauerbarriere unregelmäßiger Wind- und Solarstrahlungsangebote aus dem Weg räumen: Nicht nur durch elektrolytisch erzeugten Wasserstoff, sondern durch elektrostatische Speicher (Superkondensatoren), elektromechanische (Schwungräder, Druckluft), elektrodynamische (supraleitende Magneten) oder thermische mit Hilfe von Metallhydriden. Dann sind energieautarke Siedlungen und Unternehmen keine Utopie mehr, die kontinuierlich allein mit photovoltaischem Strom oder Windkraft versorgt werden. Eine andere Variante sind Hybridsysteme, sich wechselseitig ein- und ausregelnde Komplementkraftanlagen (etwa Windkraft und Biomassegeneratoren). Den Kosten dafür steht der Wegfall der laufenden Brennstoffkosten (außer bei Bioenergie) und der Stromübertragungskosten gegenüber, die das Gros des heutigen Strompreises ausmachen. Damit wird das gesamte Energiesystem, einschließlich der gegenwärtigen Nutzung erneuerbarer Energien, revolutioniert.

Die fossilen und atomaren Kosten steigen unweigerlich, während erneuerbare Energien durch Serienfertigung und technologische Optimierungen laufend billiger werden. Bereits in den letzten zehn Jahren sind die Windkraftkosten um 50 Prozent und die der Photovoltaik um 30 Prozent gesenkt worden. Die Mehrkosten von heute sind Niedrigkosten von morgen.

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Erneuerbare Energien sind auch die Antwort auf die nahende Erdöl- und Erdgasverknappung, die vor allem den Kraft- und Heizstoffbedarf betrifft. Mittlerweile ist es offizielle Hausmeinung bei DaimlerChrysler, Volkswagen und Ford, dass biosynthetische Kraftstoffe oder Bioethanol, Biodiesel und Biogas kostengünstiger und schneller einführbar sind als mit Atomstrom produzierter Wasserstoff, für den eine kostspielige neue Infrastruktur entstehen müsste. Das Potenzial reicht aus, um den Kraftstoffbedarf der Welt zu befriedigen, wie auf der Weltbiomasse-Konferenz im Mai in Rom dargelegt wurde. Energieeffizientes solares Bauen kann komplette Häuser mit Heiz- und Kühlenergie versorgen. Schon gibt es in Deutschland 3000 Häuser ohne Fremdenergiebedarf. Der Reichstag in Berlin wird bereits zu 85 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt.

Es ist hohe Zeit, die strukturkonservativen Sichtblenden und den kleinmütigen Technikpessimismus gegenüber erneuerbaren Energien zu überwinden. Sie müssen in Politik, Wissenschaft und Technik endlich genauso ambitioniert erforscht und gefördert werden wie einst die Atomenergie. Die technologisch-wirtschaftliche Optimierung erneuerbarer Energien ist leichter zu realisieren als die der Atomtechnik, und ein unwägbares Risiko gibt es nicht. Die Zukunft des atomar-fossilen Energiezeitalters liegt – besser früher als später – im Technikmuseum.

Der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer ist Träger des Alternativen Nobelpreises und ehrenamtlicher Präsident von Eurosolar. Vor seiner Wahl ins Parlament war der SPD-Politiker als Systemanalytiker am Deutschen Kernforschungszentrum in Karlsruhe tätig

 
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