Jede Krankheit hat ihr eigenes Image. Der Herzinfarkt zum Beispiel gilt gemeinhin als sauberes, ehrenvolles Ereignis, das auf ein arbeitsreiches Leben schließen lässt. Den Krebs umgibt eine bedrohliche Aura, finster wie der Sensenmann selbst. Und das Gelenkrheuma? Andreas Krause von der Rheumaklinik Berlin-Wannsee fasst die Vorurteilslage der Nation so zusammen: »Das gilt doch nur als ein Alte-Leute-Gebrechen, gegen das man nichts tun kann und an dem man nicht stirbt.« Aber die Laien irren – und mit ihnen viele Ärzte.

Das Leiden kann bereits im Vorschulalter ausbrechen. Bestimmte Formen von Rheuma können das Leben erheblich verkürzen. Und mittlerweile existieren einige, sehr wirksame Therapien gegen rheumatische Erkrankungen.

Die Patienten kommen viel zu spät zum Spezialisten

Schon mit herkömmlichen Therapien könnten heute in acht von zehn Fällen Gelenkschäden verhindert werden – vorausgesetzt, die Behandlung beginnt in den ersten Monaten. Leider hat sich die Erkenntnis, dass Rheuma kein schleichendes Schicksal, sondern ein internistischer Akutfall ist, noch nicht herumgesprochen. Die Betroffenen gelangen im Schnitt erst nach 1,6 Jahren zum Experten. In der Zwischenzeit wird viel versäumt. »Nur die Hälfte aller Patienten, die vom Hausarzt zum Rheumatologen überwiesen werden, wurden vorher ausreichend behandelt«, sagt die Epidemiologin Angela Zink vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin. Gerade hat Zink die Auswertung einer Erhebung von 145000 Patienten mit Gelenkrheuma im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht. Das Fazit der zehn Jahre überblickenden Untersuchung: Viele Hausärzte sind nicht ausreichend informiert.

Ärzte meiden die wirksamsten Medikamente

Bessere Zeiten brachen erst in den Achtzigern an, als das Krebsmedikament Methotrexat (MTX) gegen die Rheumatoide Arthritis eingesetzt wurde. Es bändigte das Immunchaos so effizient, dass Finger und Füße bei vielen Patienten seitdem gerade bleiben. Heutzutage sind Methotrexat und niedrig dosiertes Cortison die Standardtherapie.

Gegen aggressives Rheuma hilft oft nur eine Chemotherapie