aktuell Das Rätsel des menschlichen Geistes

Zum Tode von Francis Crick, dem Pionier der Genforschung

Francis Crick, einer der Mitbegründer der molekularen Genetik, ist in der Nacht zum Donnerstag in Kalifornien an einem Krebsleiden verstorben. 1962 erhielt er für die Aufklärung der Struktur der Erbsubstanz DNA den Medizin-Nobelpreis, gemeinsam mit James Watson und Maurice Wilkins. Nicht geehrt wurde damals die bereits verstorbene Rosalind Franklin.

Wild gestikulierend sah man James Watson und Francis Crick zu Beginn der fünfziger Jahre über den Campus der Universität Cambridge schlendern. Besonders der 1916 geborene Crick redete viel und laut. „Die hohe, erregte Stimme, eine nie ermüdende Pikkoloflöte, mit einigen in des Geschwätzes trübem Strom glitzernden Goldklümpchen“, notiert der Biochemiker Erwin Chargaff über ihn. Eigentlich sollte Watson Viren erforschen und Crick seine unfertige Doktorarbeit über Proteine vollenden. Doch die beiden interessierte nur eines: Das Rätsel der DNA.

Anzeige

Am 28. Februar 1953 entdeckten die beiden Forscher nach vielen Fehlschlägen die Lösung. Innerhalb einer Stunde bauten Watson und Crick ihr Modell zusammen. Auch der nur 128 Zeilen und 900 Wörter lange Artikel zum Aufbau der Doppelhelix, der am 25. April 1953 in Nature erschien, war schnell geschrieben. Über die Reihenfolge, in der die Autorennamen genannt wurden, entschied ein Münzwurf. Francis Crick verlor – und wurde erst an zweiter Stelle genannt.

Das Strukturmodell der DNA war die Basis für die Entwicklung der molekularen Genetik bis hin zur Gentechnik von heute.

Im reifen Alter, mit Nobel-Meriten und einem eigenen Institut im kalifornischen La Jolla ausgestattet, versuchte Crick sich noch einmal an einer ganz großen Herausforderung: Dem Versuch, das Wesen des Geistes zu enträtseln und durch eine umfassende Theorie zu erklären.

Dem DNA-Entdecker ist es maßgeblich zu verdanken, dass das Fragen danach in der Naturwissenschaft überhaupt als legitimer Gegenstand akzeptiert wurde. Denn nur ein gewiefter Wissenschaftsmanager wie Crick, dem jegliches spirituelle Spekulieren fern lag, konnte dieses Thema auf die Tagesordnung heben, ohne gleich in den Verdacht wissenschaftlicher Esoterik zu geraten. Mit dem ganzen Gewicht seines Ruhmes postulierte Crick 1990, dass nun die Zeit reif sei, das lange für unfassbar gehaltene Rätsel des menschlichen Geistes naturwissenschaftlich in Angriff zu nehmen - und löste damit, wie der Scientific American schrieb, eine "intellektuelle Stampede" aus, die immer mehr Hirnforscher, Computerexperten, Psychiater und Philosophen auf der Suche nach dem Bewusstsein mitriss.

Francis Crick hielt sich dabei nicht lange mit philosophischen Grundsatzfragen auf: "Man gewinnt keine Schlachten, indem man darüber diskutiert, was genau die Bedeutung des Wortes 'Schlacht' ist." Die Forscher sollten sich lieber experimentell lösbaren Fragen zuwenden. Auf diese Weise werde man das Funktionieren des Geistes schon eines Tages verstehen können. Die Menschen, „Ihre Freuden, und Leiden, Ihre Erinnerungen, Ihre Ziele, Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit - bei alldem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen“, formulierte er in seinem 1994 erschienenen Buch "Was die Seele wirklich ist".

Service