Welche Idee steckt hinter der Juniorprofessur? 42 Jahre alt ist ein Wissenschaftler im Durchschnitt, wenn er das Glück hat, zum ersten Mal deutscher Professor zu werden. Mehr als zwanzig Jahre hat er zuvor an der Universität verbracht – als Student, Doktorand und als Assistent eines Professors, dem er zuarbeitet und dem er im Zweifelsfall die lästigen Anfängerseminare für die Erstsemester abnimmt. Mit der Juniorprofessur sollten junge Wissenschaftler eigenverantwortlicher und international konkurrenzfähiger werden – und vor allem: früher in die Karriere einsteigen. Sie können nun schon mit Ende 20, Anfang 30 insgesamt sechs Jahre eigenständig lehren und forschen, genauso, wie es unter anderem in den USA üblich ist.

Die Einführung der Juniorprofessur sollte auch das Ende der Habilitation bedeuten; die Junioren sollten keine totschlägerschwere Schrift mehr anfertigen und sich diese dann von einer Kommission absegnen lassen müssen – ein für manchen Habilitanden demütigendes akademisches Initiationsritual. Die Habilitation ist ohnehin ein Unikum des deutschsprachigen Raums, das "international nicht anschlussfähig ist", wie der Wissenschaftsrat bereits im Jahr 2001 feststellte.

Der Bund wollte die Juniorprofessur als verbindlichen Weg zur Dauerprofessur festschreiben – und die Habilitation verbieten. Damit sollte verhindert werden, dass Fakultäten den neuen Karriereweg ignorieren und an der Habilitation festhalten. Diesen Übergriff hat das Verfassungsgericht nun verboten; der Bund überschreite damit seine Kompetenz. Indirekt hat Karlsruhe die Habilitation damit wieder aufgewertet.

Welche Erfahrungen gibt es mit der Juniorprofessur?

Durch die Juniorprofessur ist es gelungen, eine Reihe von Forschern aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Die meisten der 933 Juniorprofessoren an 65 Universitäten sind, das zeigen Umfragen, mit ihrer Situation zufrieden. "Alle würden es wieder tun", ist etwa das Fazit einer Umfrage der Humboldt-Universität zu Berlin, an der 45 Juniorprofessoren unterrichten, von denen jeder vierte zuvor im Ausland arbeitete. Bei aller Zufriedenheit mit dem Job klagen die Juniorprofessoren jedoch auch über Probleme der Praxis, wie eine Umfrage der "Jungen Akademie", einer Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, im vergangenen Jahr ergab. Hauptkritikpunkt: Den Juniorprofessoren fehlt die Perspektive; ob sie nach den sechs Jahren Professor sind oder quasiarbeitsloser Privatdozent, ist ungewiss. Der etwa in den USA übliche tenure track, eine Spur zur Dauerprofessur, auf die man bei guter Leistung zur Festanstellung kommt, fehlt in Deutschland.

Zudem kritisieren einige Jungprofessoren, dass sie zu wenig Mitarbeiter und Sachmittel haben, aber eine zu hohe Lehrverpflichtung, um sich in der Forschung profilieren zu können. Außerdem ist es bislang nicht gelungen, das Einstiegsalter der berufenen Nachwuchswissenschaftler deutlich zu senken. Dass es beim Übergang zu einem völlig neuen Rekrutierungssystem zu Startschwierigkeiten kommt, kann nicht überraschen. Viele Probleme sind Kinderkrankheiten – der nicht vorhandene tenure track nicht; diese fehlende Perspektive führt dazu, dass sich viele Juniorprofessoren nebenbei noch habilitieren wollen. Das führt die Idee ad absurdum.

Müssen die gegenwärtigen Juniorprofessoren nach dem Urteil um ihre Stellen fürchten?