Der 140 Grad Celsius heiße Dampf verbreitete sich schlagartig. Vier Arbeiter starben auf der Stelle, sieben weitere wurden schwer verletzt, einige kämpfen immer noch ums Überleben. Was war geschehen? Durch einen Raum im Turbinengebäude des japanischen Kernkraftwerks Mihama-3 verlief ein dickes Rohr, Durchmesser 56 Zentimeter, durch das ein Wasser/Dampf-Gemisch aus der Turbine floss. Der Betreiber des Kraftwerks wusste seit Herbst 2003, dass das Gemisch die zehn Millimeter dicke Rohrwand innerhalb von 28 Betriebsjahren auf 1,4 Millimeter dünngeschmirgelt hatte. Der Austausch wurde aber hinausgeschoben, aus Kostengründen. Und am Nachmittag des vergangenen Montags platzte dann das Rohr.

Derartige Unglücke kommen auch in Kohlekraftwerken vor, in Chemieanlagen und überall dort, wo Heißes unter Hochdruck transportiert wird. Ein "Atomunfall" (dpa) war das nicht; die Turbine wird nicht vom radioaktiven Reaktorkühlwasser durchlaufen. Dennoch ein heikler Fall, denn er weist auf die unzureichende Sicherheitskultur des Kraftwerksbetreibers hin. In der Fukui-Provinz, wo Mihama-3 steht, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Außerdem wird man in Japan mehrere andere Meiler herunterfahren, um nach ähnlichen Fehlern zu suchen. Das wird teuer. Und das Land muss mehr Öl importieren.

Fazit: Wiederkehrende Ultraschall-Diagnosen der Schweißnähte und Rohrleitungen sowie die Atomaufsicht durch unabhängige Behörden bleiben notwendig – solange die katastrophenfesten Meiler der Zukunft nur Entwürfe sind. Ein Gedanke schließt sich an: Die Verlängerung der Laufzeit bestehender AKW, wie zurzeit in den USA, ist ganz im Sinne der Sicherheit. Denn die Prozedur ist anspruchsvoller als die turnusmäßige Untersuchung – sie verlangt eine Runderneuerung der gesamten Anlage.