hartz iv Nur die Reichen werden reicherSeite 3/3
Altersarmut dagegen ist – entgegen einer verbreiteten Meinung – kein dramatisches Problem in Deutschland. Vor ein paar Monaten kam das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) zu dem Schluss, dass »die Einkommensposition alter Menschen nicht viel unter dem Durchschnitt aller Haushalte liegt und die Mehrzahl finanziell sogar besser gestellt ist als Familien mit Kindern«. Seit Mitte der achtziger Jahre konnten die Alten (mit kurzer Unterbrechung nach der Wiedervereinigung) ihre Einkommensposition nachhaltig verbessern.
Erstaunlich gut gestellt sind die Rentner in Ostdeutschland – noch. Nur wenige fallen unter die Armutsgrenze, ihre Arbeitsbiografien sichern ihnen eine solide Altersrente, häufig zwei pro Haushalt. Doch die vielen jungen und weniger jungen Arbeitslosen werden schnell beim Arbeitslosengeld II landen, danach mit Minirenten auskommen müssen und in der Sozialhilfe landen. »Das wird ein galoppierender Prozess«, warnt Sozialforscherin Haupt, »in zehn Jahren wird die Armutsrate Ost rapide wachsen.«
Auch wenn es sich nicht wegdiskutieren lässt, dass die Reichen weiter gut leben und die Armen deutlich ärmer werden: »Die Entwicklung war bisher nicht dramatisch«, sagt Heinz-Herbert Noll, Experte für soziale Indikatoren im Mannheimer Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA). Jedenfalls steht im europäischen Vergleich Deutschland immer noch deutlich besser da als der Durchschnitt. Stolz meldete die Bundesregierung in ihrem Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung vom Frühjahr nach Brüssel: »Deutschland gehört damit gemeinsam mit den skandinavischen Ländern und zum Beispiel den Niederlanden zu den EU-Ländern mit relativ geringer Armut und sozialer Ausgrenzung.«
Doch inzwischen räumt selbst die Bundesregierung ein, dass das Armutsrisiko hierzulande größer geworden ist. Der Grund ist schnell ausgemacht: die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe. »Hartz IV erzeugt Armut«, weiß Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Und die Versicherung von Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement, niemand werde abstürzen, jeder werde ein Auskommen haben? Dafür hat Schneider nur ein Kopfschütteln übrig.
- Datum 12.08.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 12.08.2004 Nr.34
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