DIE ZEIT:Google geht an die Börse und versteigert seine Aktien im Internet. Was unterscheidet diese Auktion von anderen Auktionen?

Axel Ockenfels: Wird bei Christie’s ein Picasso versteigert, bekommt ihn derjenige, der das höchste Gebot abgibt. Bei Google hingegen werden viele Einheiten eines Gutes verkauft. Aber auch dort gewinnen die, die am meisten bieten. Nur, am Ende zahlen alle denselben Preis – den so genannten Markträumungspreis, zu dem alle Anteile verkauft werden können. Angebot ist gleich Nachfrage, und alle sind zufrieden: die, denen eine Aktie nicht so viel wert war, diejenigen, die mehr geboten haben und weniger zahlen müssen, und natürlich Google selbst.

ZEIT: Ist ein solches Verfahren für einen Börsengang nicht ungewöhnlich?

Ockenfels: Für einen Börsengang schon, aber Auktionen sind mittlerweile in vielen Bereichen Standard, etwa bei Strommärkten oder der Vergabe von Sendefrequenzen. Auch die Börse selbst ist eigentlich nichts anderes als eine Auktion, bei der Nachfrager und Anbieter Gebote abgeben und ein Markträumungspreis errechnet wird. Insofern ist es eigentlich naheliegend, auch für einen Börsengang ein Auktionsverfahren zu wählen. Bei üblichen Verfahren werden die Aktien nicht nur nach der Höhe der Gebote vergeben, sondern die Zuteilung wird von den Banken oft rationiert – nach welchen Kriterien auch immer. Und da gibt es natürlich viele Möglichkeiten für "Klüngeleien". Eine Auktion verhindert dies.

ZEIT: Bei einer Auktion gibt es also keine Möglichkeit der Preismanipulation?

Ockenfels: Doch, die Auktionsregeln, die Google gewählt hat, eröffnen Spielräume für strategisches Verhalten. Es gibt beispielsweise Anreize für große Investoren, durch eine Reduktion der nachgefragten Menge bewusst den Preis zu drücken. Da jedoch alle denselben Preis bezahlen, profitieren letztlich alle davon, auch die Kleinaktionäre. Es gibt aber durchaus Auktionsverfahren, die weniger Spielraum zum Austricksen lassen.

ZEIT: Wenn aber eine Auktion sowohl für das Unternehmen als auch für die potenziellen Aktienkäufer das effizientere Verfahren ist, warum wird es dann so selten genutzt?