Ich würde persönlich eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung bedauern. Mir scheint eine Korrektur der offensichtlichen Misslichkeiten der neuen Rechtschreibung und eine behutsame Weiterentwicklung der richtige Weg zu sein. Die Sprache – und mit ihr die Rechtschreibung – hat sich im Lauf der Geschichte immer gewandelt, und die maßgeblichen Lexika haben diese Wandlungen, wenn sie sich etabliert hatten, aufgenommen. Das ist der Gang der Dinge. Eine radikale Umkehr scheint mir angesichts der Situation an den Schulen nicht verantwortbar zu sein.

Arnulf Conradi, Verleger, Berlin Verlag

Es ist alles gesagt zur Rechtschreibreform, nur nicht von allen. Jetzt muss Schluss sein, ich jedenfalls habe zu Aust, Kilz, Döpfner, Jörges, Schirrmacher, Reich-Ranicki, zu Klett, Eck, Grass, Walser, Lieschen und Hänschen Müller nichts hinzuzufügen. Im Übrigen können die Autoren selbst entscheiden, nach welcher Rechtschreibung ihre Bücher bei uns erscheinen.

Antje Kunstmann, Verlegerin, Antje Kunstmann Verlag

Wir sind ein Autorenverlag, und für uns ist der Wille des Autors maßgeblich, in welcher Rechtschreibung sein Buch erscheinen soll. Das war in der Vergangenheit so, und so werden wir es auch in Zukunft handhaben. Lediglich unser Kinderbuchprogramm wird sich an der in den Schulen gelehrten Rechtschreibung orientieren.

Monika Schöller, Verlegerin, S. Fischer Verlag

Die Tragödie bahnte sich bereits vor acht Jahren an, als die Vorschläge für die Neuregelungen bekanntgemacht wurden. Die wenigen, durchaus kompetenten, Kritiker standen einer obrigkeitshörigen Mehrheit von Befürwortern in der auftraggebenden Ministerialbürokratie gegenüber und mußten zusehen, wie eine evident vermurkste Reform von den Kultusministern, ohne parlamentarische Legitimation, schließlich verordnet wurde. Die Schulbuchverlage unterwarfen sich ohne Protest sofort dem Diktat der Ministerien, und die Kinder- und Jugenbuchverlage, auch "dtv junior", stellten um, damit ihre Bücher weiterhin in den Schulen benützt werden können. In allen Verlagen mußten eigene Richtlinien entwickelt werden, weil die offiziellen "amtlichen" Versionen zu verwirrend waren und sind. Der Bestand der in- und ausländischen Bibliotheken an deutscher und übersetzter Literatur sowie die Produktion der belletristischen Verlage wurden damit schlagartig als veraltet deklariert. Brutaler kann man nicht verhindern, daß sich eine ohnehin nicht gerade lesefreudige Generation der Weltliteratur öffnet. Eine zukünftige Spaltung in eine Sprache der Literatur und eine der Schulen und der Bürokratie kann aber doch ernsthaft von niemandem befürwortet werden. Um permanentes Chaos zu verhindern, muß die Reform mit dem Eingeständnis eines schweren politischen Fehlers zurückgenommen und dem evolutionären Veränderungsprozeß der Sprache wieder der natürliche Spielraum zugebilligt werden. Die schmerzlichen Kosten für eine übergangsgeregelte Rückführung sind mit Sicherheit verkraftbarer als eine Nachbesserung ohne Ende.