Natürlich fing es alles mit ihm an: George Orwell, dem britischen Journalisten und Autoren, dessen Science-Fiction über das Jahr 1984 halb als antikommunistisches Traktat geriet, halb als vorausschauende Mahnung vor einer fast perfekten Überwachungsgesellschaft. Die "Telescreens", die die Mitteilungen der "Gedankenpolizei" von Ozeania verbreiteten, konnten zugleich sehen und hören, und "man ging davon aus, dass jedes Geräusch gehört wurde und, wenn es nicht dunkel war, jede Bewegung studiert". ( www.k-1.com/Orwell ).

Kamera im Kindergarten

Wie viel von diesen Voraussagen wahr geworden ist! Die Technologie zumindest ist weithin verfügbar. Die New Yorker Aktivistengruppe Surveillance Camera Players ( www.notbored.org/the-scp.html ) versucht seit Jahren, die explosionsartige Verbreitung von Überwachungskameras in New York und anderen amerikanischen Großstädten zu dokumentieren. Ebenso die Gruppe Epic ( www.epic.org/privacy/surveillance ), die hier ( observingsurveillance.us/cgi-bin/show.pl ) Fotos von Kameras in Washington zusammengestellt hat. Man muss der Vollständigkeit halber hinzufügen, dass einige europäische Städte, vor allem in Großbritannien, früher als die Amerikaner mit so genannten Closed Circuit - Überwachungskameras operiert haben - Informationen dazu zum Beispiel bei Privacy International ( www.privacyinternational.org ). Doch spätestens seit dem 11. September holen die Amerikaner kräftig auf.

Und was ist mit der Zukunft? Mit Satelliten, schwarzen Helikoptern, unbemannten Überwachungsflugzeugen? Mit den Verschwörungstheorien, die immer schon eifrig durchs World Wide Web geisterten? ( www.notbored.org/cell-phones.html ). In Amerika zumindest gar nicht mehr so weit hergeholt ( abcnews.go.com/wire/US/ap20030228_1131.html ). Die Überwachung per Kamera wird heute gar zum Volkssport. Jeder kennt diese kleinen Geräte ( www.hiddenpinholecameras.com/hidden-cameras.htm ), die man zur Beaufsichtigung der Putzfrau oder aus sehr viel heimlicheren Gründen daheim installieren kann. Sie sind Eltern und bekommen Ihre Kinder während der Arbeit nicht häufig genug zu Gesicht? Probieren Sie die Kindercam ( www.kindercam.com ).

Gesetz der Patrioten

Nun sind Überwachungskameras gewissermaßen das Lowtech-Ende der Überwachungstechnik. Um Kameras sinnvoll zu nutzen, braucht man immer noch Beamte oder Detektive, die auf Bildschirme starren (obwohl automatische Gesichtserkennungstechniken ( www.identix.com ) ebenfalls auf dem Vormarsch sind). Viel effizienter sind die vielen anderen Formen der Überwachung: von Telefonen, Faxen, vom Datenverkehr im Internet, der Post und so weiter.

Nach dem 11. September war es vor allem der Patriot Act ( www.epic.org/privacy/terrorism/hr3162.html ), begleitet von einer Reihe weiterer Direktiven, Gesetze und Grundsatzbeschlüsse, der das Schnüffeln in solchen Quellen erleichtert hat. Der Patriot Act hat seine Fans ( www.lifeandliberty.gov ) und seine erbitterten Gegner ( www.eff.org/Privacy/Surveillance/Terrorism/ 20011031_eff_usa_patriot_analysis.php ); ( www.aclu.org/SafeandFree/SafeandFree.cfm?ID=12126&c=207 ). Jedenfalls dürfen Strafverfolgungsbehörden seither deutlich freier Datenquellen anzapfen, brauchen in vielen Fällen keine gerichtliche Genehmigung mehr hierfür, Ämter wie die Bundespolizei und die Einwanderungsbehörde und die Geheimdienste dürfen sehr viel großzügiger Daten untereinander austauschen und auch die Informationen privater Firmen nutzen. Zumindest in der Theorie. Wie häufig die neuen Rechte wirklich angewendet werden, ist meist geheim, und so kursieren sehr widersprüchliche Aussagen über den Umfang ihrer Nutzung.