Hochschule Bildung aus der FabrikSeite 2/2
Das Geld für die Firmen-Universitäten geht den Privathochschulen ab
Wohl aber beschädigt der Boom der Firmenunis die Finanzdecke der gut 60 privaten Universitäten. Die werden nicht von Unternehmen getragen, arbeiten aber mit diesen oft eng zusammen – Firmen finanzieren etwa Lehrstühle. Viele Privatunis leiden seit Jahren an Finanznot und drohen von anderen Hochschulen übernommen zu werden (ZEIT Nr. 23/04 Gefragt ). Im Gegensatz zu den Firmenunis kommt auch die von Unternehmen gemeinsam finanzierte ESMT, als Elite-Einrichtung gestartet, nicht voran. »Die Konkurrenz ist mit Händen zu greifen«, sagt Hochschulverbands-Chef Kempen, »Privathochschulen und Corporate Universities haben dieselbe Zielgruppe.« Auch Christoph Ehrenberg vom Bundesbildungsministerium sagt: »Wenn einer neu anfängt zu graben, geht das zulasten der anderen.« Joachim Koch-Bantz vom Deutschen Gewerkschaftsbund geht noch weiter: »Diese Konkurrenz kann für die privaten Universitäten ein echtes Problem werden.« Peter Gaehtgens, der Chef der Hochschulrektorenkonferenz, findet das nur folgerichtig: »Wer in so enger Verknüpfung mit Unternehmen steht wie die privaten Hochschulen, muss sich nicht wundern, wenn ein solches Finanzproblem entsteht.« Nach einer Studie des St. Galler Wissenschaftlers Christopher Jahns sponsert eine Reihe von Unternehmen die eigenen Unis mit über 20 Millionen Euro – eine Summe, die dann möglicherweise bei den privaten Unis fehlt.
Eigener Campus, eigene Professoren – das ist zu unflexibel, sagen Kritiker
Den Kampf ums Geld spüren die Spendensammler der Privathochschulen deutlich, wie Mathias Riepe bestätigt, einer der Fundraiser der Universität Witten/Herdecke: »Natürlich hören wir von Unternehmen: ›Wir gehen zurzeit keine Kooperationen ein, die Mittel sind für eigene Projekte schon vergeben.‹« Stefan Küpper, Bildungsexperte beim Arbeitgeberverband BDA, will zwar Privathochschulen und Unternehmensuniversitäten »nicht gegeneinander ausspielen«, sagt aber: »Selbstverständlich kann es ein Effekt von Corporate Universities sein, dass Unternehmen erst einmal einen Schwerpunkt in ihr eigenes Projekt setzen.« Genau aufgeschlüsselte Zahlen gibt es nicht, da Privatunis die wenigen Spenden auf die klägliche Konjunktur zurückführen.
Der ehemalige SPD-Politiker Peter Glotz, der in St. Gallen auch über Firmenunis forscht, beschreibt dies in einer Studie: In den USA hätten mittlerweile 40 Prozent der größten Unternehmen eine eigene Hochschule – dies stelle eine »besondere Herausforderung für die amerikanischen Business Schools dar, weil diese in erheblichem Maße an dem Markt für betriebliche Weiterbildung partizipieren«. Glotz glaubt allerdings, dass Unternehmen wie VW auf dem falschen Weg sind, wenn sie selbst einen Campus bauen, viele Lehrende einstellen und eigene Lehrpläne zusammenschreiben. Das sei zu wenig flexibel. Firmenunis hätten nur Erfolg, wenn sie mit bestehenden Hochschulen kooperieren. Das könnte Gelder in die Haushalte von Privathochschulen und Universitäten schwemmen. »Die Unternehmen müssen intelligente Plattformen schaffen, die sich der Universitäten in aller Welt bedienen«, sagt Glotz. »Einen großen Stab an Mitarbeitern wie bei der AutoUni brauchen sie dafür nicht – der beschäftigt sich zu sehr mit sich selbst.«
- Datum 19.08.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 19.08.2004 Nr.35
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