Gefragt

Eckart Brandt, 54, Apfelsortenretter in Großwörden in der Ostemarsch

Wie viele Apfelsorten wachsen auf den sechs Hektar, die Sie bewirtschaften?

Ich habe über 700 Apfelsorten gesammelt, außerdem 100 Birnen-, 60 Pflaumen- und 40 Kirschsorten. Sie alle gehören zum »Boomgarden«-Projekt.

Was ist das »Boomgarden«-Projekt?

Der Baumgarten, auf Plattdeutsch Boomgarden, ist eine Arche Noah, eine Genbank für fast 1000 Obstsorten.

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Wie retten Sie alte Apfelsorten?

Ich suche halbwegs vitale Bäume einer alten Sorte und setze einjährige Triebe von ihnen auf kleine Füßchen, das heißt, ich veredle sie auf Unterlagen. Dafür reicht schon ein kleines Stückchen Holz der alten Sorte. Dann warte ich ein paar Jahre, bis der Baum herangewachsen ist.

Warum retten Sie alte Apfelsorten?

Die meisten Obstsorten hängen heutzutage am Tropf der Chemie. Viele alte Sorten sind unempfindlicher. Außerdem erhalte ich die Sorten einer Region, weil sie Kulturgüter sind.

Gab es früher mehr Apfelsorten?

Aus dem 19. Jahrhundert gibt es Beschreibungen von 4000 Apfelsorten.

Was ist bei den alten Apfelsorten anders als bei neuen Sorten?

Heute müssen Äpfel vor allem knackig sein – ein furchtbares Wort. Früher hatten Äpfel noch andere Eigenschaften. Wenn jetzt ein Apfel nicht knackig ist, ist er mehlig.

Welche Eigenschaften schätzen Sie?

Kategorien wie mürbe, mürbfleischig oder schmelzend. Die Schätze wachsen vor der Haustür, und kein Mensch kümmert sich darum. Stattdessen zahlen wir viel Geld, um Früchte von der anderen Erdhälfte herbeizuschippern.

Wie alt ist Ihre älteste Sorte?

Der Borstorfer ist die älteste Apfelsorte, die wir in Deutschland haben. Es gibt sie seit dem 12. Jahrhundert. Sie ist kaum noch zu finden, weil sie die lausige Eigenschaft hat, erst nach fünfzehn Standjahren mit den ersten Früchten überzukommen.

Interview: Hella Kemper

 
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  • Quelle (c) DIE ZEIT 19.08.2004 Nr.35
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  • Schlagworte Generation | Alte | Landwirtschaft
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