Paläobiologie Aliens wie du und ichSeite 9/10
ZEIT: Halten Sie unsere Welt also für sehr intelligent entworfen?
Morris: Da muss ich etwas klarstellen: Den Begriff intelligent design würde ich nie verwenden. Er ist von den Kreationisten besetzt – diesen Pseudowissenschaftlern, die die Bibel wörtlich auslegen und davon ausgehen, dass Gott Pflanzen, Tiere und den Menschen in sieben Tagen erschaffen hat. Von solchen Leuten will und muss ich mich ganz klar abgrenzen – als Wissenschaftler und als gläubiger Christ.
ZEIT: Böse Zungen könnten behaupten, Sie müssten die Evolution ja als zielgerichtet einschätzen. Sind Sie als religiöser Darwinist nicht mindestens so befangen wie etwa Stephen Jay Gould?
Morris: Auch ich bin nicht völlig frei. Das bestreite ich gar nicht. Der entscheidende Punkt ist doch: Manche Weltbilder sind äußerst fruchtbar. Andere hingegen führen ins Verderben, wie es gerade der Marxismus oft genug bewiesen hat.
ZEIT: Die Weltreligionen haben ebenfalls immer wieder zu Fanatismus, Kriegen und Unterdrückung geführt.
Morris: Da muss ich Ihnen leider Recht geben. Trotzdem denke ich, der christliche Glaube und die Evolutionslehre könnten sich gegenseitig enorm bereichern. Selbstverständlich ist man aber auch als gläubiger Wissenschaftler nicht vor Irrwegen gefeit. Man benötigt als Forscher generell viele Irrtümer, um der Wahrheit näher zu kommen. Im Bereich des Glaubens gibt es übrigens ein ähnliches Phänomen: Immer wenn du denkst, du verstehst Gott nun endlich, verstehst du ihn nicht.
- Datum 19.08.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 19.08.2004 Nr.35
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