Geschichte Europas Der wiederauferstandene KontinentSeite 2/2
Deutlich wird dies beispielsweise in der Behandlung der Pariser Vertragswerke von 1919/20, bei der sich James geradezu aus einer Analyse der für das ganze Jahrhundert wegweisenden Entscheidungen herausstiehlt. Ähnlich unzulänglich wirken die knappen Passagen zum »Rassenkrieg«, wird doch in ihnen das problematische Verhältnis von Tätern, Opfern und Zuschauern nur unzureichend beleuchtet. Es liegt auf der Hand, dass eine Synthese der vorliegenden Art nicht allen Aspekten gleichermaßen gerecht werden kann. Der Holocaust aber ragt wie ein Keil in die Geschichte des 20. Jahrhunderts hinein und hätte zweifellos eine tiefgründigere Analyse erfordert, als der Autor sie liefert.
Gleichwohl: Harold James hat vor allem für den Zeitraum nach 1945 ein vielfach unbearbeitetes Terrain kartografiert und einer Synthese zugeführt. Dies ist als sein größtes Verdienst anzusehen. Gleichermaßen sollten seine ebenso knappen wie gedankenreichen Skizzen zum »stahlharten Gehäuse« von Modernisierung und Rationalisierung zur Pflichtlektüre all derjenigen gehören, die über den Tellerrand einer nationalfixierten Historiografie hinausblicken wollen. Aus seiner Darstellung ergibt sich eine bleibende Aufgabe für die heutige Geschichtsschreibung Europas: Es gilt, eine ausgewogene und überzeugende Linie im Spannungsfeld zwischen nationalen und übernationalen Entwicklungen auszuloten. Harold James hat hierfür eine ebenso lesenswerte wie kompakte Grundlage geliefert.
Harold James: Geschichte Europas im 20. Jahrhundert Fall und Aufstieg 1914–2001; a. d. Engl. v. Udo Rennert, Martin Richter und Thorsten Schmidt; C. H. Beck Verlag, München 2004; 576 S., 29,90 ¤Geschichte Europas im 20. JahrhundertGeschichte | Gesellschaft | EuropaPolitisches BuchenglischFall und Aufstieg 1914–2001; aus dem Englischen von Udo Rennert, Martin Richter und Thorsten SchmidtHarold JamesBuchC. H. Beck Verlag2004München29,90576Udo Rennert, Martin Richter und Thorsten Schmidt- Datum 19.08.2004 - 14:00 Uhr
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- Serie politisches buch
- Quelle (c) DIE ZEIT 19.08.2004 Nr.35
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